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Bengt Arvidsson

Protestantische Kirchweihpredigten in Dänemark und Norddeutschland – Die Encoenea sacra des Bischofs Matz Jensen Medelfar in Lund 1633

Die Einstellung zur Kirchweih ist in der evangelischen Kirche und Theologie von Anfang an etwas problematisch gewesen. Allgemein war die Auffassung, dass die Reformatoren diesen Brauch abgelehnt hätten. Einige Theologen meinten, wie z. B. Åke Andrén (ehemaliger Professor an der Universität Uppsala), dieses hinge mit der Lehre der Ubiquität zusammen. Die ganze Schöpfung war für die Reformatoren heilig, nicht nur einzelne Orte und Gebäude. Gegen diesen Gedankengang kann man zwar einwenden, dass die Kirchengebäude auch nach der Reformation als selbstverständliche Plätze für Gottesdienst, für Predigt und Sakrament verblieben. Überhaupt war die Frage der Kirchweih aus naheliegenden Gründen zu Beginn der Reformation zweitrangig, da neue Kirchengebäude kaum gebaut wurden. Eher wurden viele Kirchengebäude zerstört. Zum Beispiel wurden 25 Kirchgebäude und Klöster in der Stiftsstadt Lund nach der Reformation abgerissen. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts begann man in evangelischen Gebieten neue Kirchen zu bauen, zuvor nur wenige Schlosskirchen, zum Beispiel in Torgau, die Luther im Jahre 1544 eingeweiht hat.

Ein Beispiel für eine solche neu errichtete Kirche Ende des 16. Jahrhundert ist im Lunder Stift die Kirche in Genarp, ein Dorf zwanzig Kilometer südöstlich von Lund, fertig im Jahre 1593. Vermutlich hat der junge dänische König Christian IV. die Errichtung mit Interesse verfolgt. Während seiner langen Regierung 1588 – 1648 fand ohnehin eine umfassende Bautätigkeit in Dänemark statt. Von grossem Interesse sind auch die neuangelegten Städte Glückstadt, Kristianstad und Kristianopel, wo auch neue Stadtkirchen entstanden. Im Zusammenhang mit der neuen Bautätigkeit von Kirchen um 1600 in evangelischen Gebieten wurde auch die Frage betreffs der Kirchweih wieder aktuell, und die ersten eigentlichen Kirchweihpredigten von evangelischer Seite wurden veröffentlicht.

Im Anschluss zu der Einweihung der Stadtkirche in Kristianstad 1628 gab der Bishof in Lund Jens Madsen Medelfar 1633 die Kirchweihpredigt im Druck heraus. Die Ausgabe ist ein grösseres systematisch- theologisches Werk, in dem der Bischof Medelfar den Begriff der Kirche in einem dogmatischen Entwurf abhandelt. Dieses Schema auch als Inhaltsverzeichnis der Schrift zeigt die Systematik verschiedener theologischer Themen, die den Begriff der Kirche zum Inhalt haben. Die Struktur ist hier wie eine Predigt, Divini Textus explicatione, mit Einleitung, Exordium, und dann eine Auslegung in drei Hauptteilen, Partes Tres. Der erste Hauptteil behandelt die Einweihung und den Brauch der Kirchen. Der zweite Hauptteil behandelt die Dreieinigkeitslehre nach dem Evangelium Johannes, De imperscrutabili aeternae& individuae Trinitatis revelatione. Der dritte Hauptteil behandelt die Wiedergeburt durch Wasser und Geist, De Admirabili hominis peccatoris, per Aqua & Spiritum, in verbo regeneratione. Das ganze Werk Medelfars ist eine christlische Dogmatik von der Schöpfung bis zum himmlischen Jerusalem. In dieser Dogmatik hat auch das Kirchengebäude seinen zentralen Platz. Die Vorrede beginnt einleitend mit Psalter 27:4 ”Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten.”

Es ist auch offensichtlich, dass man im Frömmigkeitsleben der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Kirchengebäude mit Ehrfurcht betrachtete. Der erste dänische lutherische Bischof, Peder Palladius, ermahnt z. B. in seinen Visitations-notizen zum Liebhaben der Kirchengebäude. Die Pfarrkirche ist Gottes Haus, andere Häuser sind Menschenhäuser. Palladius war 1537 von Bugenhagen ordiniert worden. Diese ehrfurchtsvolle Haltung zum Kirchengebäude bildete den Hintergrund zum Verständnis der Theologie des Kirchengebäudes Medelfars.

Medelfar ist in Middelfart, einer kleinen Stadt, die an der Meerenge Lille Belt auf der Insel Fünen liegt, im Jahre 1579 geboren. Sein Vater war Handwerker aber auch Stadtrat. 1588 visitierte der damalige Bischof im Bistum Odense Jacob Madsen die Stadtkirche in Middelfart, und Medelfars Vater war als Stadtrat anwesend. Schon als Junge mußte also Medelfar mit der Kirchenverwaltung vertraut gemacht worden sein. Kennzeichnend für Bischof Madsen war, dass er seine Visitationsnotizen auch mit einer Zeichnung des Kirchengebäudes versah. Sowohl diese Zeichnungen als auch die Visitationsnotizen selber zeugen von der Wichtigkeit, Kirchengebäuden als Gotteshäuser zu pflegen und unterhalten zu wollen. 1601 oder 1602 begann Medelfar in Kopenhagen zu studieren. Sein erster Lehrer war Jon Jakobsen Venusinus, der bei David Chytræus in Rostock studiert hatte.

Von grösster Bedeutung für das Verständnis der Theologie Medelfars ist aber seine Studienreise nach Wittenberg und an andere Orte in Norddeutschland zwischen 1606 und 1610. Die Reise ist wohl dokumentiert durch sein „Stammbuch“(Reise- und Tagebuch), heute auf der Königlichen Bibliothek zu Kopenhagen. In dieses „Stammbuch“ haben sich zum Beispiel Theologen wie Friedrich Balduin in Wittenberg, Johannes Olearius in Halle, Simon Gediccus in Berlin, Christopher Pelargus in Frankfurt an der Oder und Polycarpus Leyser in Dresden eingetragen. Auch der Musiker in Leipzig Sethus Calvisius hat akkurat einen Choral mit Noten dazu gesetzt und Medelfar gewidmet.

Während der Zeit dieser Studienreise herrschte ein scharfer Antikalvinismus in Sonderheit in Wittenberg und Sachsen aber allmählich auch in Dänemark und Skandinavien.

Die skandinavischen lutherischen Kirchen sahen sich so mit den lutherischen Kirchen in Norddeutschland, aber auch im Baltikum vereint. Gegen Kalvinismus, aber auch gegen den Katholizismus betonte der dänische Theologe Nils Heldvad die Einheit in Lehre und Kirchenceremonien innerhalb der Ostseeländer. In seinem Buch ”Sylva chronologica circuli Baltici” schrieb er: ”Eine solche Christliche Ordnung mit den Ceremonien vnd Gottesdienst /wird auch in Schweden /Lieffland /Churland/ Preussen / Pommern / Meckelburg / so wol auch in allen See Städten / gehalten / damit sie nit allein in der Lehre einig / sondern auch mit iren Kirchen Ceremonien gleichfoermig vberein stimmen.” Diese Übereinstimmung auch in Ceremonien ist es darum wert anzumerken. Auch die Kirchweihpredigt Medelfars lassen sich in diesen Zusammenhang lutherischer Bestrebungen einordnen. Die erwähnten Theologen bestätigten jedenfalls diese lutherischen Bestrebungen.

Im Zusammenhang mit dem anhaltinischen Bilderstreit hatten Friedrich Balduin und Simon Gediccus 1597 Verteidigungsschriften der Bilderbenutzung verfasst und herausgegeben. Ich habe diese und andere Verteidigungsschriften in meinem Buch ”Bildstrid – Bildbruk – Bildlära” (”Bilderstreit, Bilderanwendung, Bilderlehre”) analysiert. Doch auch von Gediccus gibt es einige Kirchweihpredigten, und ebenso auch von Pelargus, der noch einige Jahre später beim Übertritt Brandenburgs zum Kalvinismus eine bedeutende Rolle spielen sollte, und sich selber dann der reformierten Lehre anschlosst. Zur Zeit der Reise Medelfars scheint es jedoch, daß Pelargus sich noch zur lutherischen Kirche bekannte.

Auch gibt es offenbare Übereinstimmungen zwischen den Kirchweihpredigten Pelargus und Medelfars. Die Predigt Pelargus ist im Anschluss an die Einweihung der renovierten Domkirche in Kölln an der Spree 1608 herausgegeben worden. Der Titel der Predigt ist der gleiche wie bei Medelfars Encoenia sacra, auch inhaltlich gibt es viel Gemeinsames. Wir finden bei Medelfar Begriffe und Theman wieder, die früher Pelargus in seiner Kirchweihpredigt abgehandelt hat, z. B. die Themen im Inhaltsverzeichnis Medelfars Certissimum beneficii singularis Argumentum, Evidentissimum templi Spiritualis Monimentum und Luculentissimum usus temporalis Documentum, nämlich, daß die Kirche ein gewisser Beweis von Gottes Wohltaten sei, und ein deutliches Zeichen des geistlichen Tempels und ein Document, wie unser Leben in und durch die Kirche geprägt werden sollte.

Von Simon Gediccus gibt es zwei Schriften mit Kirchweihpredigten.

Die erste ist 1597 im Anschluss zu dem Bilderstreit im Anhalt herausgegeben worden, und in denen er gegen den Kalvinismus die grosse Sünde betonte, Kirchen zu profanieren. Die Kirchengebäude sollten so zum ersten ein Zeugnis sein, dass der Herr unser Gott bei uns ist, zum anderen eine Werkstatt des Heiligen Geistes, zum dritten ein Bethaus und zum vierten ein Vorbild des ewigen Lebens, daß wir zur himlischen Kirche kommen werden. Dabei handelt es sich in dieser Schrift nur um renovierte Kirchengebäuden in Halle, Wolmirstedt und Rothenburg, nicht um neu errichtete Kirchen. Gediccus verknüpfte die Kirchweih hier zugleich mit der Einweihung des Tempels Salomos, und mit der Renovation und Reinigung der Kirchen auch an dem jährlichen Fest der Tempelweihe durch Judas Makkabäus. Die zweite Kirchweihpredigt Gediccus wurde im Jahre 1616 der bei Einweihung der neurenovierten Domkirche in Meissen herausgegeben, also nach der Reise Medelfars. Als brandenburgischer Hofprediger stand Gediccus auch der ersten Gemahlin von Christian IV. Anna Catharina nahe, und war auch bei der Krönung des Königs im 1596 in Kopenhagen zugegen. Ebenso gibt es inhaltlich auch offenkundige Überein-stimmungen zwischen den Schriften Gediccus und der Kirchweihpredigt Medelfars.

Gewisse Schwierigkeiten bereitete es jedoch, die Quellenschriften der Kirchweihpredigt Medelfars festzustellen. So sind mehrere Schriften nur kompilatorisch. Was wir darum feststellen können, ist eine Gattung oder Genre lutherischer Kirchweihpredigten und Schriften, die so Kirchenceremonien mit einer bejahenden Auffassung der Sakralität des Kirchengebäudes und der Kirchenceremo-nien behandelten. Kennzeichnet ist die feste, allgemeine Struktur betreffs Bibelangaben und Zitaten der Kirchenvätern, die die Kirchweihceremonien und Kirchengebäude verteidigen und unterstreichen. Die erste Kirche, gemäss Medelfars Primam Ecclesiam, war in Eden, von Gott selbst eingestiftet, usw. Doch diese Auffassung kann kaum von der ersten lutherischen Kirchweihpredigt, nähmlich der Predigt Luthers bei der Einweihung des Schlosskapelles in Torgau 1544, hergeleitet werden. Zwar weist Medelfar auf die Torgaupredigt hin, z.B. auf Folgendes aus der Kirchweihpredigt Luthers: ”Wir sollen itzt dis newe Haus einsegnen und weihen unserm HERrn Jhesu CHRisto, Welches mir nicht allein gebuert und zustehet, Sondern ir solt auch zu gleich an den Sprengel und Reuchfafs greiffen, auff das dis newe Haus dahin gericht werde, das nicht anders darin geschehe, denn das unser lieber Herr selbs mit uns rede durch sein heiliges Wort, und wir widerumb mit im reden durch Gebet und Lobgesang, Darumb, damit es recht und Christlich eingeweihet und gesegnet werde, nicht wie der Papisten Kirchen mit irem Bischoffs Chresem und reuchern, sondern nach Gottes befehl und willen, Wollen wir anfahen Gottes wort zu hoeren und zu handeln, Und das solchs fruchtbarlich geschehe auff sein Gebot und gnedige zusagung, mit einander in anruffen und ein Vater unser sprechen.” und ”Das sey itzt gnug gesagt von dem Euangelio zu einweyhung dieses Hauses, Und nu er es, lieben Freunde, habt helffen besprengen mit dem rechten Weyhwasser Gottes Worts, So greiffet nu auch mit mir an das Reuchfas, das ist: zum Gebet, Und last uns Gott anruffen und beten, Erstlich fur seine heilige Kirche, das er sein heiliges Wort bey uns erhalte und allenthalben ausbreiten wolle, Auch dieses Haus rein erhalte, wie es itzt Gott lob eingeweyhet, in der Heiligung durch Gottes Wort, das es nicht durch den Teuffel entheiligt oder verunreinet werde mit seiner Luegen und falschen lere. ….” Doch fehlt bei Medelfar z.B. folgende Aussage: ”Also sol dis Haus solcher freiheit nach gebawet und geordent sein fuer die, so alhie im Schlos und Hofe sind, oder die sonst herein gehen wollen, Nicht das man daraus ein sondere Kirchen mache, als were sie besser denn andere heuser, do man Gottes wort predigt,..” Gediccus drückte hingegen die Aussage Luthers etwas anderes aus. Die Kirche soll nicht auf papistischer Weise eingeweihet worden ”sondern Christlichem Vhralten gebrauch nach/wie vorzeiten die lieben Heiligen Gottes gethan haben. Denn hierzu haben sie gebraucht. 1. Sprengwasser. 2. Rauchfass. 3. Opffer. – (Denn) das Sprengwasser ist Gottes Wort/das haben sie geprediget/dadurch werden die Hertzen der Menschen gesprenget/vnd besprenget mit dem Blut JHesu Christi. Das Reuchfass ist das liebe Gebet… Das opffer/ so wir Opffern sollen, ist die Dancksagung / vnd der gantze newe gehorsam / das wir vnsere Leibe begeben zum opffer das da lebendig / Heilig/vnd Gott wolgefellig sey.” Gediccus überträgt hier also den katholischen Gebrauch in´s Geistliche.

Die Schlosskirche in Torgau wird häufig als der erste evangelische Kirchenraum hervorgehoben. Doch sollte man diesen Gedanke nicht überbewerten. Als Schlossraum im Schlossgebäude hat die Schlosskirche vor allem eine Funktion für jene Menschen, die im Schloss leben und arbeiten, sie war gleichsam eine Haus-kirche, und die Architektur der Schlosskirche mußte so auch zweckentsprechend dem Schlossgebäude im grossen und ganzen angepasst werden. Doch kann man vielleicht mit Peder Palladius hier etwas Ikonographisches hinzufügen. Der Predigtstuhl steht inmitten des Kirchenraums, der Pfarrer zeigt mit der rechten Hand auf den Altar und mit der linken auf den Taufstein. Und diese Ikonographie ist dann nicht nur als „evangelisch“ zu bezeichnen.

Dass es jedoch einen Unterschied gegenüber der Torgaupredigt Luthers 1544 und den Kirchweihpredigten um 1600 gibt, hat vor allem seinen Grund in den dazwischenliegenden Streitigkeiten zwischen Lutheranern und Kalvinisten. Die theologische, aber auch politische Lage ist um 1600 anders. Während seiner Reise war auch Medelfar mit mehreren lutherischen Streittheologen zusammengetroffen, und das konnte ihn natürlich in seiner sakralen Auffassung des Kirchengebäudes nur bestärkt haben. Auch hatte Medelfar, wie schon gesagt, von Kindheit an eine Ehr-fürchtigkeit empfangen für das Kirchengebäude, wie sie in der damaligen Volksfröm-migkeit wurzelte.

Zum Verständnis der Kirchweihpredigten um 1600 und die Kirchweihpredigt Medelfars muss aber noch ein weiterer Aspekte beachtet werden. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann eine grosse Bautätigkeit in Dänemark. König Friedrich II. erweiterte z. B. die mittelalterliche Festung in Helsingør (Elsinore) zwischen 1574 und 1585 im Stil der Renaissance, und gab dem neugebauten und prachtvollen Schloss den Namen Kronborg. Überflüssige und prachtvolle Ceremo-nien kennzeichneten das Leben der Renaissance in fürstlichen Kreisen.

Traten die kirchlichen Zeremonien infolge der Reformation zwar mehr und mehr in den Hintergrund, wurden zur gleichen Zeit die weltlichen Zeremonien und Riten umso mehr betont. Die erste Angabe einer solchen Kirchweihceremonie in Dänemark nach der Reformation, die ich gefunden habe, ist nun die von der Einweihung der Schlosskirche im genannten Kronborg im Jahre 1582. Der dänische Theologe Nils Heldvad schreibt kurz in seinem Buch ”Sylva chronologica circuli Baltici”: ”Am H. Ostertage / den 15. Aprilis, hat Koenig Friederich in Dennemarck / die newe Kirche auff der Festung Croneburg / mit herrlichen Ceremonien einweihen lassen / An demselbigen Tage seynd / wie der gottesdienst solte angefangen werden / neben Gelaut der Glocken zwoelff Karthawen abgangen / vnd viel Frewden Schuesse geschehen / Der Koenig liess auch einen Beutel mit dreyhundert ReichsThalern auff den Altar setzen / so der HoffPrediger vnter die armen Leuthe aussgetheilet.” Hier gab es also noch nicht die deutliche Abgrenzung zwischen kirchlichen und weltliche Ceremonien und Riten.

Im Jahre 1616 wurde Medelfar zum Hofprediger des Königs Christian IV. ernannt. Er bekam seine Wohnung am Schloss Frederiksborg in Hillerød, dem grössten und prachtvollste Schloss des Königs. Das Schloss wurde in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts errichtet, und während dieser Zeit im Schloss dürfte Medelfar die fortlaufenden Arbeiten auch im Kirchenraum verfolgt haben. Leider gibt es betreffs einer Einweihung keine Angaben, aber der Kirchenraum wird im Jahre 1617 vollendet gewesen sein. Wahrscheinlich hat aber Medelfar selber sogar die Arbeiten der auch endgültigen Ausgestaltung mitbestimmt.1620 wird Medelfar als Bischof in Lund ordiniert. In seiner späteren Kirchweihpredigt 1633 lobte Medelfar die Schlosskirche und ihre Ausschmückung, in Sonderheit den Altar und den Predigtstuhl. Aber er lobte auch die Bautätigkeit Christian IV. im Ganzen, nämlich auch unter dem Aspekt einer Idealstadt, von dem sich der König leiten ließ; denn auch diesen Gedanke hatte Medelfar in seiner Predigt zu erwähnen für wert befunden.

Die Einweihungsceremonie selber ist im einzelnen auch in der Kirchweih-predigt Medelfars beschrieben, und die Schrift Encoenia sacra ist ein interessantes Beispiel der Auffassung altlutherischer Kirchweih. Doch der Hauptzweck Medelfars mit der Schrift Encoenia sacra ist und war unzweilfelhaft, das Haus Gottes mitten in der Welt hervorzuheben.

Denn durch die Kirchweihceremonie, schreibt er, würde die neuerbaute Kirche wie in Kristianstad aus dem Weltlichen herausgehoben, allein um Gottes Wort zu hören und die Sakramente auszuteilen, und dies steht nicht im Gegensatz zur Ubiquität, denn Gott brauchte nicht die Kirchengebäuden, um die Schöpfung zu sakralisieren, son-dern um das menschliche und auch weltliche Leben zu ändern und zu heiligen.

Vorlesung im

COLLEGIUM DARGUNENSE auf der Tagung im Mai zu Himmelfahrt 2o11

1 Åke Andrén, Kyrkoinvigningen – Liturgiska utvecklingslinjer, Svenska kyrkans gudstjänst. Invigningshandlingar Bilaga 7, 1968 års kyrkohandbokskommitté, Stockholm 1985 Seite 39. 2 Palladius, Peder, En Visitatsbog. Udgivet på nudansk med indledning og noter af Martin Schwarz Lausten, København 2003 Seiten 33, 43.3 Heldvad, Niels, Sylva Chronologica Circuli Baltici, das ist Historischer Wald unnd Umzirck desz Baltischen Meeres oder der Ost See, darinnen neben Beschreibung der Länder die Succession aller Könige in Dennemarck und aller Hertzogen zu Hollstein bisz auff den König Christianum IV. und Hertzog Fridericum III. Gottorpffischer Linien an Tag gegeben, in welchem auch auffgezeichnet die denkwürdigste Geschichte, so sich in Dennemarck, Norwegen, Schweden, Lieffland, Churland, Preussen, Pommern, Meckelnburg, Hollstein zugetragen, von dem Jahr 1500 bisz auffs 1623, Hamburg 1624 4 Heldvad, Niels, Sylva Chronologica Circuli Baltici… Seite Bii.5 Arvidsson, Bengt, Bildstrid – Bildbruk – Bildlära. En idehistorisk undersökning av bildfrågan inom den begynnande lutherska traditionen under 1500-talet, Studia Theologica Lundensia 41, Lund University Press 1987. Zusammenfassung in Deutsch Seiten 236 – 246: Bilderstreit – Bilderanwendung – Bilderlehre. Eine ideegeschichtliche Untersuchung über die Bilderfrage in der beginnenden lutherischen Tradition während des 16. Jahrhunderts. 6 ENCÆNIA SACRA Christliche Predigt Bey renovation oder Ernewerung der grossen Domkirche zu Coeln an der Sprew / welche auff des Durchleuchtigsten Hochgebornen Fuersten vnd Herrn / Herrn JOACHIMI FRIDERICI Marggraffen zu Brandenburg / des heiligen Roemischen Reichs ErtzCaemmerern vnd Churfuersten / in Preussen / zu Stettin Pommern / der Cassuben vnd Wenden / Auch in Schlesien zu Crossen vnd Jaegerndorff Hertzogen / Burggraffen zu Nuerenberg vnnd Fuersten zu Ruegen / etc. gnaedigste anordnung vnd befehl zur Obersten newen Pfarrkirchen zubereitet Vnd am Sontag der heiligen Dreyfaltigkeit (war der 22 Maii dieses 1608. Jars) in Volckreicher versamlung auff das newe ist eingeweihet worden Auff S. Churfuerstlichen Gn. sonderbarn befehl gehalten vnd publiciret Durch CHRISTOPHORUM PELARGUM der H. Schrifft Doctorn / der Chur vnd Marck Brandenburg general Superattendenten, 1608.7 ENCÆNIA Oder Einweihung dreyer Kirchen im loeblichen Ertzstifft Magdeburg. I. Thumbkirche zu Hall in Sachsen / zur heiligen Dreyfaltigkeit genandt. II. Schlosskirche zu Wolmerstedt. III. Hoffkirche im Ampt Rohtenburgk. Welche von dem Durchlauchtigsten Hochgebornen Fuersten vnd Herrn / Herrn Joachim Friedrich / Postulierten Administratorn des Primat vnd Ertzztiffts Magdeburgk / Marggraffen zu Brandenburgk / in Preussen Hertzogen / etc. Vnd S. F. G. Christlichem vnd Fuerstlichem Gemahl Catharina / Geborn vnd Marggraeffin zu Brandenburg / in Preussen Hertzogin / etc. zum theil repurgieret vnd gereiniget / zum theil vernewert erweitert vnd gebessert worden sein. Darbey etliche nuetzliche Predigten / von der rechten Kirchweih / vnd Fortpflantzung reiner Lehr / Gehalten durch Simonem Gediccum / der heiligen Schrifft Doctorn / Fuerstlichen Magdeburgischen Hoffprediger / etc…, Magdeburg 1597. 8 Siehe Arvidsson, Bengt, „Dydefuld“, „gudfryktig“ och „føyelig“. Om fromhet och fromhetsideal i Drottning Anna Catharinas (1575 – 1612) miljö, in Kirkehistoriske samlinger, København 1988.9 D. Martin Luthers Werke, 49. Band, Weimar 1913 Seite 588.10 D. Martin Luthers Werke, 49. Band, Weimar 1913 Seite 613.11 Gediccus 1597 Seite Nii.12 Peder Palladius, En Visitatsbog. Udgivet på nudansk med indledning og noter af Martin Schwarz Lausten, København 2003 Seite 43.13 Siehe weiter Europa Triuphans. Court and civic festivals in early modern Europe Volume II, Aldershot 2004.14 Heldvad, Sylva chronologica Seite 217.15 Siehe Arvidsson, Bengt, Das Paradies auf Erden. Zur Rezeption der Theologie des Heiligen Bernhard von Clairvaux durch die evangelisch-lutherische Theolgen im 17. Jahrhundert, Vortrag Evangelischer Kirchenbauverein, dritte interdisziplinäre Fachtagung 2009 in Dargun, Cistercienser Chronik 118. Jahrgang 2011 Heft 1 Seiten 89 – 97.

Teol.dr.Bengt Arvidsson

Kämpagränden 17 C

22476 lund Schweden

E-Mail:tdbengt arvidsson@bredband.net

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Abb. 2 Dom Lund Epitaphium

Abb. 3 Gediccus 159

Abb. 4 Hillerød Frederiksborg Schloss

Abb. 5 Kristianstad 1

Abb. 6 Kristianstad 2

Abb. 7 Kristianstad 3

Abb. 8 Medelfar Struktur Inhalt

Abb. 9 Medelfar Titelseite

Abb. 10 Torgau

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