Evangelischer Kirchenbauverein

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ZUM SCHUTZ KIRCHLICHEN KUNSTGUTES
BERLIN-FRIEDENAU
1975

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Die Turmbekrönung der „Kirche der Garnison zu Potsdam“ entstammte der vom Hallischen Pietismus geschaffenen Emblematik: Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit; und wer ihm vertraut, wird von Gott wie auf Adlersflügeln zum Ziel seines Lebens gebracht. Zwei Berliner Kirche, die gleichfalls der König Friedrich Wilhelm I. schon zuvor errichten ließ, die Jeruslemkirche in der damaligen Friedrichstadt  und die Waisenhauskirche nahe der Mühlendammschleuse trugen die selbe Turmbekrönung. Im Giebelfeld der Franckeschen Stiftungen ist dieses Glaubenszeugnis bis heute zu sehen. „Der Tradition verpflichtet: Die Kulturstiftung des Bundes hat die Franckeschen Stiftungen in Halle als Sitz gewählt“, schrieb die „Berliner Morgenpost“ zur Wiedergabe unseres Fotos (Zentralbild) oben: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler“ (Jes.40,31). Zu der von der Kreissynode in Potsdam bislang dagegen gehaltene „Versöhnungskonzeption mit einem Nagelkreuz nach Coventry“ ist theologisch anzumerken und zu ergänzen:

 

„Versöhnung“  

Wer mit Wem?

 

I

Eine Versöhnung geschieht immer nur „Auge in Auge“; es ist und bleibt stets ein  persönlicher Vorgang und an die dazu jeweils gemeinsam bereiten und betroffenen Personen gebunden. Keine Institution oder Gemeinschaft kann hier ersetzen, was Menschen immer nur unmittelbar selber zu erstreben hatten.

Und dennoch mißlang es nur allzu oft, in Eintracht und Frieden zu leben (Psalm 133 1); wenn nämlich einer gegen den Anderen sich nicht nur in seinem Urteil sicherer meinte, sondern ihm auch noch mit Normen begegnete, die jede eigene sittliche Bewährung jedem anderen Menschen raubten und ihn entmündigten, aber damit auch das bis zum letzten Tag offene Urteil Gottes geleugnet und vorwegzunehmen getrachtet wurde. Doch Gott kam uns auch darin immer zuvor, „da wir noch Feinde waren“ (nämlich ohne IHN,Gott, leben zu wollen); ER, Gott, ließ uns noch einen Raum der Umkehr, der Besinnung und der Buße; Menschen also endlich durchschauten, daß ihre noch so „guten Absichten“ (I.Mose 3 5) und deren Durchsetzung auch im gesellschaftlichen Leben nur der Ausdruck ihrer eigenen Gottlosigkeit und der Anfang zu jedem Bösen waren, oder wie sich Menschen immer wieder rechtfertigten: „Es ist besser, ein Mensch stürbe, denn daß alle anderen verdürben“ (Johannes 1 5o). Also wurde Christus gekreuzigt; aber die Erinnerung an den personhaften Gott, und daß sich Gott nicht mit äußeren Dingen, und wie wir sie vielleicht auch mit den verschiedensten Mitteln parteipolitisch durchzusetzen vermochten, aufhalten würde, diese Erinnerung, sie blieb: „Denn der Mensch sieht, was vor Augen, der Herr aber das Herz(I.Samuel 16 7; Apostgesch.10 34; Römer 2 11).

Nur darum wird auch Menschen diese, ihre nie enden wollende Kreuzigung Christi auf Erden entgegengehalten, auf daß sie endlich darüber erschraken, daß sie ihr menschliches Angesicht schon viel zuoft umsonst getragen hatten.        

„Darum kannst du dich auch nicht, o Mensch, entschuldigen, wer du auch seist, denn worin du einen anderen richtetest, verurteiltest du dich selbst“; wenn du nämlich auch weiterhin „den Reichtum Gottes verachtetest“, und vergessen wolltest, „daß Gottes Güte dich zur Umkehr leitete“ (Römer 2 4).

Und nur darum  -  und einen anderen Auftrag hatte die Kirche  nie  -  war Christus zu predigen, auf daß auch möglichst viele oder sogar alle ihre Aufgaben und Pflichten eines wahren Menschentums in der Verantwortung vor Gott nicht mehr  versäumten (und also auch über jeden der vergänglichen Tage hinaus Menschen einander hilfreich wären).

Oder (II.Kor 5 18ff.), und nur darin erfüllte sich auch das „Amt, das die Versöhnung predigte und zu mahnen hatte“: „Denn Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu... darum bitten wir euch an Christi Statt: lasset euch versöhnen mit Gott “.

Jede andere Geste und noch so gute Tat, sie käme zuspät und würde unter das Verdikt einer „Werkgerechtigkeit“ fallen.  -  Ein evangelischer Christenglauben war jedenfalls damit unvereinbar.

Das Kreuz Christi bedurfte nie eines weiteren Attributes; und nie ist es auch jemals versucht worden. Die Tat Gottes (das Kreuz, auch das leere, es war das tropaion (das Tropaion) nämlich, das Siegeszeichen zum Leben, auch wo Menschen nur noch töteten (Matthäus 10 28 !!).

II

 

Versöhnung war darum auch immer nur als Sündenvergebung möglich  -  und zwar alleine durch Gott und in dessen Vollmacht. Diese Tat rangierte vor jeder anderen und noch so großen Not: Und „das Volk verwunderte sich darob und pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hatte“ (Matthäus 9 8; u.p.). Ausdrücklich haben gerade auch darin die evangelischen Bekenntnisschriften, vor allem die Augsburger Konfession, wie sie ja auch in allen ehemals preußischen Landesteilen bis heute (und so auch in der Berlin-Brandenburgischen Kirche) als Ordinationsverpflichtung der gesamten Pfarrerschaft gilt, die darin hier auch besondere vorbildlich auszuübende Amtsführung eines evangelischen Bischofs beschrieben (Artikel XXVIII 20.21); nämlich: Evangelium zu predigen, Sündenvergeben, die Lehre zu beurteilen und, so sie dem Evangelium entgegen, zu verwefen und die Gottlosen, deren gottloses Wesen offenbar ist, auch aus der Gemeinschaft der Kirche auszuschließen; denn mit diesem „Amt der Schlüssel“(also der Sündenvergebung) werden eben nicht etwa „leibliche sondern ewige Dinge und Güter gegeben, nämlich die ewige Gerechtigkeit, der Heilige Geist und das ewige Leben“.

 Doch diese Güter kann man nicht anders erlangen als allein durch die öffentliche Predigt und die Darreichung der Sakramente, wie St.Paulus spricht: „Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben“ (Römer 1 16).

 In der Kirche und dem von ihr ausschließlich wahrzunehmenden Verkündigungsauftrag wird deshalb auch nie irgendeine besondere Art von Geschichte „aufgearbeitet“ (das mögen Berufenere und Historiker anderenorts tun), sondern jede Geschichte war durch die Jahrtausende in ihrer menschlichen Erbarmungswürdigkeit zu durchschauen  -  auf Schuld, Versäumnisse und Verfehlungen vor Gott  - und es so auch in der stellvertretenden und fürbittenden, aber oft genug genauso vergeblichen Mahnung der dem Evangelium gehorsamen Prediger heißen konnte: „Ich aber gedachte, ich arbeitete vergeblich...“ (Jesaja 49 4). Und: „Der Gerechte kommt um, und niemand, der es sich zu Herzen nähme“ (Jesaja 57 1).

Aber auch selbst Prediger davon noch eingeholt wurden und sie die Rechtfertigung „allein durch den Glauben“ zu erleiden hatten: „Ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das tue ich... und vor Gott so nur noch gelten konnte: Ich elender Mensch“ (Römer 7 15.24). Denn nur solchen Menschen wurde es zuteil  - und dann auch ohne Anmaßung und Heuchelei  -  die „großen Taten unseres Gottes“ zu rühmen (cf.Apostelgesch. 2 11), nämlich: Wir haben „durch Jesus Christus die Versöhnung empfangen“ (Römer 5 11).

Was christliche Kirchen und Gemeinden darum miteinander und auch über alle Grenzen des persönlichen Versagens ihrer eigenen Repräsentanten verband, war und ist eben so nie das sich selbst rechtfertigende Streben nach Versöhnung; denn damit kämen wir immer zuspät  -  wohl aber die Gemeinsamkeit in allen Gottesdiensten, und immer wieder auf´s Neue hier und dort: das Verlangen nach der Teilhabe an der Vergebung Gottes, wie es seit urdenklichen Zeiten (und erst recht nach der Reformation) die „berufenen und verordneten Diener des Wortes“ allen Menschen zu ihren eigenen Heil und denen, die ihnen persönlich oder auch nur politisch anvertraut worden sind, vorzuhalten hatten:

So viele nun unter euch über iher Sünde Reue und Leid tragen und im Glauben die Gnade Gottes begehren, die sollen jetzt auf ihr Bekenntnis die Vergebung der Sünden empfangen... („Denn wo Vergebung der Sünden, da ist auch ewiges Leben und Seligkeit, wie es Luther in Übereinstimmung mit der frühen Christenheit im Kleinen Katechismus (V) formulierte) ...Die aber, welche noch in wissentliche Sünden leben und nicht den ernstlichen Vorsatz haben, sich zu bessern, mögen wohl zusehen, daß sie nicht durch Heuchelei sich selber den Zorn Gottes und sein Gericht über ihre Seelen herbeiführen. Gott gebe euch allen sein Heiligen Geist zu ernstlicher Bekehrung und wahrer Besserung um Jesu Christi willen.

Wer aber weniger sagte und will, verwirkte jedes Recht auf „Versöhnung“; und auch noch so viele selbst geschaffene „Versöhnungskreuze halfen nicht weiter; denn wie sollte die Wahrheit Gottes mit den von Menschen postulierten Rechtfertigungsversuchen schon „aufgehalten“ werden (Römer 1 18  -  gut etwa auch nachzulesen in Dietrich Bonhoeffers Ethik in den Kapiteln: Erbe und Verfall, und: Schuld, Rechtfertigung und Erneuerung  -  II.Thess 2 7:  katecwn , „den Aufhaltenden“).

25. I. 2002  „Garnison Kirche“ (oder: Kirche der Garnison zu Potsdam)


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