Evangelischer Kirchenbauverein

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DIE SARKOPHAGE DER HERZÖGE
VON
POMMERN - WOLGAST


RESTAURIERUNGSBERICHT TEIL I
Wolfgang Hofmann


 


 

Vorwort


In dieser Broschüre werden die Ergebnisse der Restaurierungsarbeiten an den ersten drei Sarkophagen der Herzöge von Pommern - Wolgast vorgestellt. Von Anfang an sah das Projekt vor, die Arbeiten möglichst transparent zu gestalten und die Öffentlichkeit an den Aktivitäten teilhaben zu lassen. In Vorträgen, thematischen Führungen, wie auch in Presse, Funk und Fernsehen wurden die Restaurierungsarbeiten an den Sarkophagen der Pommernherzöge bekannt gemacht. Die Besucher von St. Petri haben das Angebot, mehr von den Sachzeugen der Geschichte Pommerns zu erfahren, gerne angenommen. Mit dieser Dokumentation werden zum ersten mal Zeichnungen und Inschriften von den Sarkophagen veröffentlicht, die so bisher nicht zugänglich waren.
Die Inschriften von den Deckplatten sind buchstabengetreu wiedergegeben und die zeichnerischen Darstellungen der Sarkophage und der Gravuren geben einen Einblick in das Handwerk der Zinngießer des 16. und 17. Jahrhunderts.
Es wird der gesamte Komplex der Restaurierungsarbeiten an den Sarkophagen dargestellt und die Probleme, die bei der Verwirklichung der Konzeption und der denkmalpflegerischen Zielstellung auftraten, beschrieben.
Vor allem in der Anfangsphase des Projektes galt es viele Klippen zu meistern, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen.
Ein besonderer Dank gilt allen, die mit Interesse und vielfältiger Unterstützung die Durchführung dieses Restaurierungsprojektes gefördert haben.
Sehr zu danken ist Frau Renate Holznagel, Vizepräsidentin des Landtages Mecklenburg / Vorpommern, die durch ihr Engagement Bewegung und Kontinuität in die Realisierung der umfangreichen Zielstellungen brachte. Weiterhin ist zu danken, Herrn Professor Dr. Dr. h.c. Roderich Schmidt von der Universität Marburg als ehemaligem Leiter der Historischen Kommission für Pommern; der Historischen Kommission für Pommern, unter der derzeitigen Leitung von Prof. Dr. Kohler, von der Universität Greifswald; dem Bildungsminister des Landes Mecklenburg / Vorpommern, Prof. Dr. Dr. Metelmann; der pornmerschen evangelischen Kirche; dem Landesamt für Denkmalpflege M / V; dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg / Vorpommern; dem Landkreis Ostvorpommern; der Stadt Wolgast; der Kirchengemeinde St. Petri mit ihrem Förderverein; der Kirchengemeinde und der Stadt Loitz, sowie der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkassenstiftung Vorpommern für ihr besonderes Engagement zur weiteren Finanzierung des Projektes.
 

Wolgast, im Mai 2006                                                                W. Hofmann



Geleitwort


Die Wolgaster Petrikirche wird vor allem in den Sommermonaten von vielen
Urlaubern aus dem In- und Ausland besucht. In früheren Jahren richtete sich
das Interesse der Gäste auf die Architektur, den Totentanz und auf die weite
Aussicht vom Kirchturm. In den letzten Jahren kommen Besucher
zunehmend wegen der Herzogsgruft und der Särge der Pommern herzöge.
So ist die Restaurierung der Särge der Pommernherzöge und der
Greifenkapelle auch die Geschichte von der Wiederentdeckung der
pommerschen Geschichte, einer Verpflichtung und eines Schatzes.
Im Jahre 1415 wurde Wartislaw VIII., Herzog von Pommern - Wolgast in der
Petrikirche bestattet. Seitdem war die Pfarrkirche der Stadt auch
Begräbnisstätte der Herzöge und ihrer Angehörigen. Die letzte Bestattung
war im Jahre 1632 die Beisetzung der Herzogin Sophia - Hedwig.
Danach blieb die Gruft verschlossen. 1688 wurde sie geplündert, später
regelmäßig durchsucht. Seit 80 Jahren ist der Raum wieder offen zugänglich,
trotzdem lag die Gruft im Schlaf des Vergessens.
Nach der politischen Wende 1989/90 erwachte das Interesse an pommerscher
Geschichte von neuem und konnte sich breit entfalten. In diesen
Zusammenhang gehören etwa der Bau und die Eröffnung des Pommerschen
Landesmuseums in Greifswald.
Die Kirchengemeinde St. Petri, als rechtlicher Eigentümer der Särge, hat
dieses Erbe nicht als etwas Selbstverständliches angenommen. Sie hatte und
hat ausreichend zu tun, das Kirchengebäude zu erhalten und ihren Dienst der
Verkündigung und der Seelsorge in der Stadt wahrzunehmen.
Aber im Laufe der Jahre sind die Herzogsfamilien auch den Mitgliedern der
Gemeinde vertrauter geworden, und uns wird bewusst, wie viel wir ihnen
verdanken.
Sie tragen dazu bei, dass die Petrikirche das lebendige Gedächtnis unserer
Stadt ist und ein Stück Landesgeschichte bewahrt. Sie erinnern uns daran,
dass wir von dem leben, was andere geschaffen haben, und dass auch wir
nicht um unser selbst Willen da sind, sondern unseren Nachkommen etwas
weiterzugeben haben; - eine Erkenntnis, die uns in den letzten Jahren
schmerzhaft bewusst geworden ist und als Auftrag noch nicht angenommen
ist.
Unser Dank gilt allen, die zur Restaurierung beigetragen haben, ganz besonders Wolfgang Hofmann, dem Metallrestaurator, der uns mit seiner Begeisterung, seiner Fachkenntnis und seiner Beharrlichkeit geholfen hat, diesen Schatz zu heben.
Ich wünsche allen Lesern dieser Broschüre Freude und Gewinn bei der Beschäftigung mit den Herzögen von Pommern - Wolgast.


Mai 2006                                                            Wolfgang Miether, Pastor



1. Geschichtliches

Das Herzogtum Pommern, das einst vom Darß im Westen bis fast nach
Danzig im Osten reichte und sich im Süden bis in den Raum Schwedt an der
Oder ausdehnte, erfuhr durch Erbfolge und Kriege mehrere Teilungen, die
schon 1295 das Herzogtum Pommern - Wolgast entstehen ließen und
Wolgast zur Residenzstadt erhoben.
Schloss und Petrikirche waren die glanzvollen Bauwerke jener Zeit. Von hier
regierten rührige Landesherren ihr Land und sorgten für das Aufblühen von
Kunst und Kultur, Aufschwung und wirtschaftliches Wachstum.
Unter Philipp I. schloss sich das Land der Reformation an und machte
Bekanntschaft mit der Renaissance. Martin Luther selbst schloss die Ehe
zwischen Philipp I. und Maria von Sachsen.
In Barth entstand eine Druckerei, die Wissen ins Land brachte, und die
Universität Greifswald erfuhr großzügige Förderung durch die Landesherren.
Lukas Cranach porträtierte die Fürsten, und berühmte Baumeister und
Handwerker aus Sachsen und dem mitteldeutschen Raum arbeiteten für das
Geschlecht der Greifen.
Aber auch Not und Elend kamen übers Land; der dreißigjährige Krieg ließ
das Land ausbluten, und mit dem Tod des Herzogs Philipp - Julius 1625, als
letztem Erben des Hauses Pommern - Wolgast, kam das Land kurz darauf für
fast 200 Jahre unter schwedische Herrschaft. Erst 1815 fiel der letzte Teil
Pommerns an Preußen.
Wie schon unter schwedischer Herrschaft bildete die Region auch für
Preußen eine Randlage, die wirtschaftlich unbedeutend blieb und kaum
Förderung erfuhr.
Wenig ist der Stadt Wolgast aus den glanzvollen Tagen des Herzogtums
Pommern - Wolgast geblieben. Das Schloss, bereits im dreißigjährigen Krieg
schwer beschädigt, lieferte ab 1798 als Steinbruch Material für Bauwerke in
und um Wolgast.
Skulpturen, Plastiken und wertvolle Ausstattungsgegenstände sind in alle
Himmelsrichtungen verstreut.
Das einzig Originale, was der ehemaligen Residenzstadt des
Greifengeschlechts geblieben ist, ist die Fürstengruft; mit ihren Sarkophagen
und den sterblichen Überresten der Herzogsfamilie.
Die Gruft für die Herzöge von Pommern - Wolgast in ihrer jetzigen Form
wurde 1587 durch den damaligen Baumeister am Hof des Fürstenhauses,
Christoffel Eirich, als Erweiterungsbau einer früheren Grabanlage errichtet.
Seine Inschrift an der Nordwand der Gruft macht dieses heute noch für jeden
erkennbar. Es gilt als sicher, dass sich eine ältere Grabanlage im
Tonnengewölbe des jetzigen Gruftzuganges befand.
Sieben Mitglieder des Herzogshauses Pommern - Wolgast sind in der Gruft der Pfarrkirche St. Petri zu Wolgast in zinnernen Sarkophagen beigesetzt.

Herzog Philipp I. (1515 - 1560),
seine Gemahlin Maria von Sachsen (1516 - 1583);
Herzog Ernst - Ludwig (1545 - 1592),
seine Gemahlin Sophia - Hedwig von Braunschweig - Wolfenbüttel
(1561-1631);
Herzog Philipp - Julius (1584 - 1625)
und als weitere Mitglieder des herzoglichen Hauses,
Prinzessin Amalia (1547 - 1580), als eine Tochter Philipp I.
und schließlich Prinzessin Hedwig - Maria (1579 - 1606),
als eine Tochter Ernst - Ludwigs


Die Gruft wurde 1688 durch Grabräuber geplündert und die einst so prächtigen Sarkophage wurden hierbei schwer beschädigt. Nach einem Gerichtsprotokoll aus dem Jahre 1688 wurden geraubt:

„ ... eine goldene Kette, 10 Ellen lang; eine goldene Kette, woran ein Stück gehangen als ein Balsambüchslein;
eine Kette woran ein Schild und Winsspiel gehangen;
drei köstliche goldene Ringe, die mit Edelsteinen verziert waren;
eine Hand voll Perlen und eine Hand voll Goldstücke;
ein goldenes Hutband mit Edelsteinen besetzt;
Krempe am Hut wie ein Stern gestaltet und um und um
mit kleinen Sternlein und mit Edelsteinen umfasst;
zwei goldene Schlangen als Ohrgehänge..."


Von den Grabbeigaben ist nie wieder etwas aufgetaucht und die Schäden, die den Sarkophagen vor mehr als 300 Jahren zugefugt wurden, sind heute immer noch gegenwärtig.
In der Folge wurde die Gruft zugemauert und nur etwa alle 100 Jahre zu Inspektionszwecken geöffnet. Im Jahr 1929 wurde sie dann mit Einschränkungen für die Öffentlichkeit zugänglich und mit der noch heute genutzten Grufttür versehen.
Bei den „Inspektionen" wurden auch immer wieder „Umräumungsarbeiten" vorgenommen, in deren Folge das Durcheinander in den Sarkophagen noch verschlimmert wurde. In allen finden sich sterbliche Überreste von mehreren Individuen, die uns das ganze Ausmaß des „wenig achtungsvollen Umgangs" mit Sachzeugen der Geschichte vor Augen halten.

Die Schäden, die den Sarkophagen 1688 zugefugt wurden, sind bis zum
Beginn der Restaurierungsmaßnahmen nahezu unverändert geblieben.
im Jahr J995 nahmen die Bemühungen um die Restaurierung der Sarkophage
der Herzöge von Pommern - Wolgast ihren Anfang.
Bei Zusammenkünften mit Vertretern der Stadt Wolgast, den
Denkmalbehörden, Mitarbeitern des Konsistoriums der Pommerschen
Evangelischen Kirche, den Pastoren von St. Petri und ihrem Förderverein,
wurden erste Ideen entwickelt und beraten, um an dieser Stelle wieder eine
würdige Stätte des Gedenkens und der Erinnerung an ein Stück pommerscher
Abb. 1 Die Gruft der Herzöge von Pommern - Wolgast im Jahr 1920
Landesgeschichte zu errichten.

Abb. 1 Die Gruft der Herzöge von Pommern - Wolgast im Jahr 1920


2. Voruntersuchungen

2.1. Ausgangssituation


Bevor im Jahr 1995 die ersten Aktivitäten zur Sanierung der Fürstengruft stattfanden, war diese in der Regel mit der bereits erwähnten liegenden Tür verschlossen und Besucher konnten nach vorheriger Anmeldung die Gruft besichtigen. Sie hatten hierbei freien und ungehinderten Zugang zu den Sarkophagen und einige Schäden die später festgestellt wurden, sind auf diesen Umstand zurückzuführen.
 



Abb.2 Der Zugang zur Gruft vor dem Altarraum
 

Die Sarkophage standen auf gemauerten Bänken, mit quer darüber gelegten
Eisenstreben. Einige darunter, in den dafür vorgesehenen Zwischenräumen.
Im Vordergrund stand eine kleine Vitrine mit den Schädeln Philipp I. und
seiner Gattin Maria von Sachsen sowie Teilen vom „Wams" des Herzogs
Philipp-Julius.
Der Rest eines Schwertes des Herzogs Philipp - Julius wird in einem eigens
angefertigten Rahmen seit 1925 - dem 300. Todestag des Herzogs, im
Kirchenraum ausgestellt.
Am 18. Mai 1995 fand auf Einladung der Kirchengemeinde St. Petri und der
Stadt Wolgast die erste Zusammenkunft und Beratung zur Zukunft der Gruft
der Herzöge von Pommern - Wolgast statt.
Ab diesem Zeitpunkt wurde zielstrebig auf eine Restaurierung der
Sarkophage in der Fürstengruft hingearbeitet.
 


Abb.3 Die Fürstengruft im Jahr 1995


Dokumente wurden erarbeitet, um einen Überblick zu bekommen, welche
Wege zu gehen waren, eine Sanierung der Sarkophage und der Gruft in Gang
zu bringen.
Daten und Fakten wurden gesammelt und aufgezeichnet, die Temperatur und
Luftfeuchtigkeitswerte in der Gruft ermittelt, ausgewertet und fortlaufend
kontrolliert.
Mit großem Erfolg konnte über zwei Jahre eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme realisiert werden, in deren Rahmen grundlegende Dokumente wie die Schadenskartierung und die allgemeine Befundaufnahme erarbeitet wurden.
Damit war die Basis für weitere praktische Arbeiten geschaffen.
Im November 2002 waren alle Vorbereitungen soweit gediehen, dass mit den
Arbeiten zur Restaurierung der Sarkophage begonnen werden konnte.
Die Restaurierungskonzeption sah vor, mit dem Sarkophag zu beginnen, der
die wenigsten Schäden aufwies. Auf Grund seiner besonderen Bauweise war
dies der Sarkophag des Herzogs Ernst - Ludwig.
Es folgte der des Herzogs Philipp - Julius und als dritter wurde der
Sarkophag der Herzogin Sophia Hedwig restauriert.



2.2 Zielstellung


Grob umrissen heißt es in der Zielstellung: „Das Ziel aller Maßnahmen zur
Restaurierung der Sarkophage der Herzöge von Pommern - Wolgast ist es,
bei gleichzeitiger Sicherung der historischen Substanz und vorwiegender
Konservierung, eine angemessene letzte Ruhestätte für die Angehörigen des
Greifengeschlechts zu schaffen".
Weiterhin soll Besuchern der zukünftigen Gedenkstätte ein Einblick in einen
wichtigen Abschnitt pommerscher Kulturgeschichte vermittelt werden.
Es ist vorgesehen, die Grablege für die Herzöge Philipp 1., seine Gemahlin
Maria von Sachsen, Ernst - Ludwig und Philipp - Julius in der
Nordostkapelle von St. Petri neu zu errichten.
Hier fand auch, praktisch unter den Augen der Öffentlichkeit, ein Großteil
der Restaurierungsarbeiten an den Sarkophagen statt.
Ursprünglich war vorgesehen, nur die männlichen Vertreter des
Herzogshauses in der Kapelle aufzustellen. Im Verlauf weiterer Gespräche
und Diskussionen wurde den Beteiligten immer bewusster, dass die von
Martin Luther zwischen Philipp I. und Maria von Sachsen geschlossene Ehe,
mit der Aufstellung beider Sarkophage auch heute noch lebendige
Erinnerung an Reformation und Wirken Martin Luthers und seiner
Zeitgenossen sein kann.
Die eigentliche Fürstengruft bleibt in ihrer Funktion erhalten. Hier werden
neben dem bereits restaurierten Sarkophag der Herzogin Sophia - Hedwig,
die der Prinzessinnen Amalia und Hedwig - Maria, sowie die bereits im 20.
Jahrhundert restaurierten Kindersarkophage aufgestellt.
Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten werden die Sarkophage weiterhin
denkmalpflegerisch betreut und überwacht.
Die wissenschaftlichen Arbeiten am Material Zinn, seinem Korrosionsverhalten, sowie Untersuchungen zum Pilzbefall auf Metalloberflächen und daraus resultierende Korrosionserscheinungen werden fortgesetzt.
 

2.3. Grundlagen


Die Grundlage jeder Restaurierung ist eine genaue Voruntersuchung. In dieser Voruntersuchung wird der Ist - Zustand des Denkmals ermittelt und sämtliche Schäden werden in sogenannte Schadenskartierungen eingezeichnet. Schadensursachen werden ermittelt, analysiert und der Planung der Restaurierungsarbeiten zugrunde gelegt.
Unterstützt und erweitert werden die Schadenskartierungen durch umfangreiches Textmaterial, Fotos und Dias sowie digitalen Darstellungen.


Abb.4 Schadens kartierung
Mit verschiedenen Farben wurden in vorher angefertigten
Zeichnungen die unterschiedlichsten Schäden erfasst
und eingetragen.
 

Korrosionserscheinungen unterschiedlicher Art und Ursache, Deformationen, fehlende Teile, Wachs- und Kerzenrußspuren etc. wurden so dargestellt und dokumentiert. Durch eine genaue Einteilung der Oberflächen in Planquadrate lassen sich spätere Schadensentwicklungen zurück verfolgen und zuordnen. 

2.4. Restaurierungsethische Fragen

In der Fachliteratur wurden bereits einige Restaurierungsprojekte an
Zinn Sarkophagen vorgestellt. Unter anderem die Restaurierung der
Sarkophage des Habsburger Fürstenhauses in der Kaisergruft der
Kapuzinerkirche in Wien, die Sarkophage der Könige von Dänemark im
Dom zu Roskilde oder auch die Zinnsarkophage in der Fürstengruft von St.
Johannis zu Ansbach in Bayern.
Die beschriebenen Sarkophage sind mehr oder weniger prunkvoll, zeigen fast
alle die gleichen Schadensbilder und entstammen der gleichen Zeitepoche.
Eine Grabplünderung wie sie in der Wolgaster Fürstengruft geschehen ist,
mit Schäden die bis heute nahezu unverändert geblieben sind, stellen jedoch
eine Besonderheit dar, die eigene Herangehensweisen erfordert.
Auf der einen Seite steht die Zielstellung „Wiedererrichtung einer würdigen
Grabstätte", - auf der anderen Seite die Erhaltung und Sicherung von
Sachzeugen und Spuren der Geschichte.
Auch die Grabplünderung ist Geschichte; und das mit all ihren Spuren und
Hinterlassenschaften.
Wie weit kann oder darf ich mich als Restaurator diesen Spuren nähern? -
Was ist wichtiger, eine Zielstellung in einem Gesamtkonzept, oder jede
einzelne Spur einer 300 Jahre zurückliegenden Missetat?
Es wird wohl immer eine Gratwanderung bleiben, Entscheidungen zu treffen,
von denen man möglicherweise erst in 50 oder 100 Jahren sagen kann ob sie
gut und richtig oder falsch waren.
Das erfordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an Verantwortung
gegenüber dem Kulturgut.
Bei jeglichem Tun müssen die Folgen, vor allem auch die Langzeitwirkungen
abgeschätzt werden und für die Auswahl der Mittel und Methoden als
Kriterium gelten.
Noch vor wenigen Jahren hätte man zum Beispiel durchkorrodierte Stellen in
den Zinnwänden der Sarkophage mit mehr oder weniger reversiblen Mitteln
verschlossen und kaschiert.
Heute fragt man: - warum muss das Loch verschlossen werden; was nützt es,
wenn es zu ist, was schadet es, wenn es offen bleibt und zeigt, „hier hat
Korrosion stattgefunden"?; - ist es bei späterer Betrachtung überhaupt im
Blickfeld, und wenn es doch verschlossen werden soll, - auffällig oder
unauffällig ...., - die Fragestellungen ließen sich beliebig fortsetzen. Welche
Entscheidung ist die Richtige?
Heute ist man eher bemüht, Gesamtkonzepte zu realisieren und vor allem das
„Wohl" des Kulturgutes und seine langfristige Erhaltung mit allen Spuren der
Zeit und der Geschichte im Vordergrund zu sehen.
Eine der wichtigsten Entscheidungen war zum Umgang mit den noch reichlich vorhandenen sterblichen Überresten in den Sarkophagen zu treffen. Nach gründlichem Abwägungsprozess wurde entschieden, die sterblichen Überreste und auch die weiteren Sarginhalte archäologisch zu bergen, wissenschaftlich zu untersuchen und den einzelnen Personen zuzuordnen. Nach Abschluss der Untersuchungen und Zuordnung der sterblichen Überreste1) sollen diese wieder in die jeweiligen Sarkophage rückbestattet werden.


1) Schon während der Bergung der Sarginhalte wurde festgestellt, dass sich mehr Überreste von Personen fanden, als Sarkophage vorhanden waren. Das war Anlass genug weitere Nachforschungen anzustellen um zu ermitteln, wer die einzelnen Personen waren, die einst in der Gruft von St, Petri beigesetzt wurden. Das vorläufige Ergebnis besagt, dass sich Überreste von insgesamt zwölf Personen in den sieben Sarkophagen fanden. An der Zuordnung wird weiter gearbeitet und auch die Untersuchungen zur Gesamtsituation der einzelnen Bestattungen sind noch nicht abgeschlossen. Nach Abschluss der Arbeiten an diesem Komplex werden die Untersuchungsergebnisse veröffentlicht.
 


Eine der wichtigsten Entscheidungen war zum Umgang mit den noch reichlich vorhandenen sterblichen Überresten in den Sarkophagen zu treffen. Nach gründlichem Abwägungsprozess wurde entschieden, die sterblichen Überreste und auch die weiteren Sarginhalte archäologisch zu bergen, wissenschaftlich zu untersuchen und den einzelnen Personen zuzuordnen. Nach Abschluss der Untersuchungen und Zuordnung der sterblichen Überreste1' sollen diese wieder in die jeweiligen Sarkophage rückbestattet werden.

 

3. Archäologische Untersuchungen an den Gräbern der Pommernherzöge 1)
 


1) Dieser Beitrag wurde freundlicherweise von Dr. Regina Scherping, Mitarbeiterin für laborative Archäologie im Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg - Vorpommern zur Verfügung gestellt. Veröffentlichungen geplant. Nach Abschluss aller Untersuchungen sind weitere Veröffentlichungen geplant.


Durch die Restaurierung der Zinnsarkophage bot sich die seltene Möglichkeit, die geborgenen Bestattungsreste mit den Methoden der laborativen Archäologie, der Ausgrabung eines Fundes unter Laborbedingungen mit Hilfe der dort zur Verfügung stehenden Mittel und Geräte, durchzuführen.
Dabei werden selbst mikroskopisch kleinste Spuren erfasst, so dass die Auswertung aller gewonnenen Erkenntnisse, auch bei sehr schlechter Materialerhaltung oder weitgehender Zerstörung des Gesamtfundes, wie es in dieser Gruft durch die Beraubung und spätere „Inspektionen" seit 1688 der Fall ist, umfangreiche Aussagen ermöglicht.
Schwerpunkte der detaillierten Untersuchung sind die Rekonstruktion der Situation zum Zeitpunkt der jeweiligen Bestattung, der Totenkleidung, der Sargausstattung und der Beigaben. Die zahlreichen Knochenfunde bringen zudem Erkenntnisse bezüglich eventueller Krankheiten und Todesursachen der Beigesetzten.
Unter Berücksichtigung der zahlreichen Schriftquellen zu den Totenfeiern der Herzöge lässt sich somit ein umfassender Einblick in Totenausstattung und Bestattungssitten der gesellschaftlichen Oberschicht im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert gewinnen.
Die Funde wurden wie bei Ausgrabungen im Gelände auch, schichtweise einzeln oder als Blockbergung entnommen, verpackt und im Labor unrestauriert einzeln unter dem Mikroskop untersucht. Die zusammengefegten Reste aus Sand, und Mörtel, durchsetzt mit Pflanzen- und Insektenfragmenten, verschiedensten Kleinteilen aus Bronze oder Blattgold sowie auffallige Anhäufungen von Getreide bzw. Blütenresten, geben Hinweise auf ehemals vorhandenen Schmuck, beigelegte Blumen oder Kissenfüllungen.
An den Textilfragmenten anhaftende Körperreste, Spuren von Metallkorrosion und erhaltene Zuformungen lassen die ursprüngliche Trageweise und Verzierung der Gewänder erkennen. Durch Vergleiche der so untersuchten Grabinhalte können auch durch Zerstörung getrennte Inventare rekonstruiert und in großen Teilen einzelnen Personen zugeordnet werden.
Anhand der Metall Sarkophage und der individuellen Ausführung der einzelnen Bestattungen lässt sich die Entwicklung der Bestattungskultur in einer bestimmten Zeit ablesen. Waren die früheren Beispiele in Umfang und Gestaltung noch relativ schlicht und einfach, sind die späteren dann reicher und üppiger ausgestattet. So hatte man Herzog Ernst - Ludwig 1592 nahezu unbekleidet auf den mit grobem Reisig ausgelegten Sargboden gelegt, seine Gemahlin Herzogin Sophia - Hedwig wurde hingegen 1631 auf eine seidene, mit duftenden Blütenblättern und Kräutern gefüllte Unterlage gebettet.

Mit vergoldeten Silberborten verzierte Gewandteile aus Samt und Seide, Lederschuhreste, Waffenteile sowie allerlei Zierat aus Federn, Gold, Bronze und Edelsteinen zeigen, dass die Bestattungen, jedenfalls teilweise, dem Stand angemessen prachtvoll waren.
 

Abb.5 Bergung der Sarginhalte
Dr. Regina Scherping vom Landesamt für Bodendenkmalpflege M/V Bei der Befundaufnahme am Sarkophag des Herzogs Philipp — Julius


 

4. Beschreibung der Sarkophage

4.1. Der prinzipielle Aufbau


Die im Folgenden wiedergegebene Beschreibung der Sarkophage ist Teil der Gesamtdokumentation und betrachtet diese vorwiegend unter handwerklichen und fertigungstechnischen Gesichtspunkten. Die in der Beschreibung der Sarkophage verwendeten Fachbegriffe sind allgemeinverständlich gehalten und werden nur in Einzelfällen weiter erläutert.
Getroffene Feststellungen zur Technologie und Fertigungsweise der Sarkophage, sowie bestimmter Arbeitstechniken ergeben sich aus logischen Arbeitsfolgen und Techniken, die zum Teil heute noch anzutreffen sind und z.B. bei der Herstellung von großen Orgelpfeifen angewendet werden. Einige Verbindungstechniken sind heute nicht mehr üblich. Sie sind an ihren Werk- und Arbeitsspuren aber eindeutig zu erkennen und zu identifizieren.

 

Abb. 6 Verschweißen von Zinnplatten zu Tafeln
Die einzelnen Platten sind im Durchschnitt 20 x 30 cm groß
 

Abb. 7 Eckverbindung von Zinntafeln
Die vorgefertigten Zinntafeln werden so aufgestellt,
dass die Kanten verlötet werden können.
Die Lötstellen dieser Verbindungen sind versäubert,
wenn keine Applikationen darüber montiert wurden.


Wenn im Text von „Versäubern" und „fein versäubern" die Rede ist, ist die Bearbeitung von Löt- oder Schweißnähten nach der schmelztechnischen Verbindung gemeint.
Je nach Anspruch kann das Versäubern soweit gehen, dass die eigentliche Lötung oder Schweißung mit bloßem Auge nicht mehr feststellbar ist. Da zwei Sarkophage (Herzogin Maria und Prinzessin Hedwig - Maria) Meistermarken sowie Stadt- und Beschaumarken tragen, die für Anklam oder Stralsund stehen, und alle anderen Sarkophage eine gleiche Bauart und Fertigungstechnologie aufweisen, kann durchaus von der Annahme ausgegangen werden, dass diese auch aus dem pommerschen Raum um Anklam oder Stralsund stammen.
Im beschreibenden Text ist sowohl von Lötverbindungen, als auch von Schweißungen die Rede. Als Lötverbindungen sind solche zu verstehen, die unter zu Hilfenahme eines Lotes realisiert werden. Das verwendete Lot hat hier eine ähnliche chemische Zusammensetzung wie das zu verlötende Material, aber einen durch verschiedene Legierungsbestandteile herabgesetzten Schmelzpunkt. Eine Lötnaht ist immer an der vom Grundmaterial abweichenden Farbe zu erkennen.
Bei der schmelztechnischen Verbindung von gleichen Materialien mit ebenfalls gleicher Materialzugabe für die Nähte, handelt es sich um einen Schweißvorgang. Werden solche Nähte entsprechend versäubert, zeigen sie keinerlei Farbunterschiede.


4.2. Beschreibung der Sarkophage unter Berücksichtigung kunst- und kulturgeschichtlicher Aspekte (allgemeiner Teil)


Bei der in der Geschichte wechselnden Praxis, die Verstorbenen entweder zu verbrennen oder unverbrannt beizusetzen, stellt der Sarkophag neben dem Grabmal eines der wichtigsten Requisiten des Bestattungswesens dar. Ein Sarkophag ist in der Regel rechteckig, kastenförmig, also ein sargähnliches Behältnis, das aus Holz, Ton, Stein oder auch Metall gefertigt sein kann. Sein Äußeres kann durch Malerei, ornamentale oder figürliche Reliefs sowie Deckelfiguren auf verschiedenartigste Weise geschmückt sein. Vereinzelt steht der Sarkophag in Grabbauten über der Erde, meist jedoch setzt er eine unterirdische Grabanlage wie gemauerte Grüfte, Höhlen oder auch Katakomben voraus. Die Bestattung in einem Sarkophag leitet sich ursprünglich von einem aus dem Orient kommenden fürstlichen Vorrecht ab. Später wird diese Art der Bestattung im ganzen Mittelmeerraum zum Allgemeingut, wobei die finanziellen Möglichkeiten den Aufwand und die Formenvielfalt bestimmen. Von hier aus breitete sich der Sarkophag dann über ganz Europa aus.1)


1) Lexikon der Kunst, Bd. IV S. 302 ff,; Leipzig 1968; Autorenkollektiv



Wie in der Architektur und in der bildenden Kunst, lassen sich auch an den Grabmalen und Sarkophagen die Merkmale einzelner Stilepochen ablesen.

So sind die Sarkophage von Philipp I. und seiner Gattin Maria, der von Prinzessin Amalia, Herzog Ernst - Ludwig und Prinzessin Hedwig - Maria noch ganz vom Stil der Renaissance geprägt.
Die von Herzog Philipp - Julius und seiner Mutter Herzogin Sophia - Hedwig dagegen zeigen deutliche Formen des Barock. Besonders die in Zinn gegossenen Zierelemente sind es, die diesen Sarkophagen das Gepräge geben und mit ihren Stilmerkmalen vom Beginn des Barock in dieser Region künden.
Die Sarkophage aus der Zeit der Renaissance sind durchweg schlicht und von klarer Linienführung. Nur wenig Details, wie einige Knöpfe, Trageringe oder andere, eher praktischen Zwecken dienende Einzelheiten, treten über die Flächen hinaus. Die Gravuren auf den Flächen der Deckplatten zeigen, neben der Darstellung der Wappen der Fürstenfamilie und den eingravierten Inschriften, nur eine einfache und verhaltene Randornamentik. An ihren senkrechten Außenflächen wurde auf jeglichen Schmuck verzichtet. Ganz anders dagegen die Sarkophage von Herzog Philipp - Julius und seiner Mutter Sophia - Hedwig.
Der von Philipp - Julius zeigt neben den gegossenen und aufgelöteten Zierelementen wie Wappen, Kreuzigungsgruppe, ornamentalen Zierbändern, Hermen und Maskarons, noch eine in Flachstichgravur ausgeführte Flächenfüllung an den senkrechten Außenwänden. Um die Eindrücke von Pracht und Reichtum noch zu steigern, sind das Wappen, die Kreuzigungsgruppe, Hermen, Maskarons und Zierbänder mit einer Farbfassung versehen und zum Teil vergoldet.
Ähnlich prunkvoll und mit noch mehr gegossenem Zierat versehen, ist der sechs Jahre später gefertigte Sarkophag der Mutter von Philipp - Julius gestaltet. Allerdings wurde bei diesem auf die üppige Gravur der Außenseiten und die reiche Farbfassung verzichtet. Es sind hier nur das Wappen und die Kreuzigungsgruppe mit einer Farbfassung versehen. Vergleicht man noch die Ausführung der Gravuren an den einzelnen Sarkophagen, lässt sich von 1560 bis 1632 eine enorme Entwicklung in der Beherrschung der Flachstichgravur feststellen. Besonders die künstlerisch anspruchsvollen Darstellungen auf der Deckplatte des Sarkophages Herzog Ernst - Ludwigs verdeutlichen diese Entwicklung. Bisher konnten diese Arbeiten keinem Graveur namentlich zugeordnet werden. Auch die gravurtechnische Umsetzung der Schriftgravur zeigt deutlich die Entwicklung zu hoher Blüte.

 

4.3. Der Sarkophag des Herzogs Philipp I. (1515 - 1560)


Der Sarkophag des Herzogs Philipp I. steht am Anfang der „Geschichte des
Sarkophagbaues aus Zinn" in der Gruft von St. Petri zu Wolgast.
Mit dem Fertigungsjahr 1560 ist dieser der älteste am Ort und wie die
späteren auch, Zeugnis für Handwerk und Bestattungskultur an Fürstenhöfen
in dieser Zeit.
Er ist von einfacher Bauart und zeigt nur wenige Schmuckelemente. Zum
Fußende hin ist er leicht verjüngt und eine umlaufende Profilleiste am oberen
und unteren Rand sind die einzigen Schmuckelemente.
Seine Länge beträgt 2180 mm, die Breite am oberen Ende beträgt 560 mm
und am unteren Ende 440 mm. Die Höhe des Kopfteiles beträgt 415 mm und
das Fußteil ist 320 mm hoch. Die Deckplatte ist mit einer Stärke von nur 1,5
... 2,0 mm als extrem dünn anzusehen, die Seitenwände haben eine Stärke
von 3 ... 4 mm. Das errechnete Gewicht beträgt ca. 160 kg.
Die sehr stabilen Seitenwände sind an den senkrechten Kanten miteinander
verlötet. Die so entstandene Zarge wurde auf die Bodenplatte gestellt und mit
ihr an den Kanten verlötet. Alle Lötungen wurden fein versäubert.
Die oben und unten umlaufenden Profilleisten sind mit den Ober- bzw.
Unterkanten der Seitenwände durchgehend verlötet. Sie haben eine fast
konstante Breite von 35 mm, und sind am stärksten Querschnitt ca. 5 mm
dick.
Der obere Rand ist an den Innenkanten rundherum angeschrägt. Die schräge
Fläche sollte der Deckplatte neben den Eisenstreben Halt und Auflage bieten.
Die Deckplatte war nicht mit dem oberen Rand des Sarkophages verlötet. Um
der Deckplatte zusätzlich Halt zu geben, sind zwischen die Seitenwände drei
Eisenstreben geschraubt.
(Schraubverbindungen dieser Art sind in dieser Zeit nicht unbedingt üblich,
meistens werden Keilverbindungen auf Grund der einfacheren Fertigung
Abb.8 Schnitt an einer Eisenstrebe des Sarkophages Philipp I.
Die Skizze zeigt die Verbindung der Seitenwand mit der Eisenstrebe und die angeschrägte Oberkante, als Auflage für die ebenfalls angeschrägten Kanten der Deckplatte bevorzugt.)



Abb.8 Schnitt an einer Eisenstrebe des Sarkophages Philipp I.
Die Skizze zeigt die Verbindung der Seitenwand mit der Eisenstrebe
und die angeschrägte Oberkante, als Auflage für die ebenfalls
angeschrägten Kanten der Deckplatte
 

Die Deckplatte ist ebenfalls völlig schmucklos, einzig die Inschriftentafel
gibt Auskunft über Philipp I. Sie ist kompakt gefertigt, ca. 5 mm dick und
von ähnlichen Profilleisten umrahmt, die den oberen und unteren
Sarkophagrand verstärken.
Die Schrifttafel ist 310 mm breit und 130 mm hoch; sie wird umrahmt von
vier Profilleisten, 20 mm breit, die mit der Schrifttafel auf der Deckplatte
verlötet sind.
Die gravierte Inschrift ist kurz und knapp gehalten und nennt neben dem Titel
lediglich das Sterbedatum des Herzogs. Gemessen an den Gravuren der
anderen Sarkophage, ist die Ausführung der Inschrift noch nicht von hoher
Professionalität gekennzeichnet.
Meistermarken sowie Stadt- und Beschaumarken konnten bislang nicht
festgestellt werden.



Abb.9 Zeichnerische Darstellung der
Deckplatte vom Sarkophag
Des Herzogs Philipp I.
 

4.4. Der Sarkophag der Herzogin Maria von Sachsen (1516 -1583)


Der Sarkophag der Herzogin Maria ist ganz im Stil der Renaissance gefertigt.
Eine klare Linienführung und die zurückhaltende Ausstattung der Oberfläche
der Deckplatte mit Schmuckelementen prägen sein Antlitz.
Er wurde in allen Einzelteilen aus einer Zinnlegierung gefertigt.
Die Länge beträgt 1780 mm, die Breite am Kopfende 520 mm und am
Fußende 440 mm. Am Kopfende ist er 450 mm hoch und am Fußende 400
mm.
Die Wandungen stehen senkrecht auf der Bodenplatte auf.
Bei einer Materialstärke der Zinnplatten von ca. 3,5 mm beträgt das
errechnete Gewicht ca. 95 kg.
Gefertigt wurde er aus kleineren Zinnplatten (ca. 200 x 300 mm), die zu
großen Tafeln miteinander verschweißt wurden. Nach dem Zuschnitt wurden
die Platten kastenförmig zusammengestellt und an den Kanten miteinander
verlötet. Ebenso wurde die Bodenplatte eingelötet. Nachdem der Eichensarg
zur Bestattung eingesetzt war, konnte auch die Deckplatte aufgesetzt werden.
Sie ist nur partiell mit dem oberen Rand verlötet worden.
Vor dem Aufsetzen der Deckplatte wurde diese graviert. Am oberen Ende ist
in zwei gleichgestalteten Wappenschilden das sächsische Wappen und der
Pommerngreif eingraviert, die Wappenschilde sind einander zugeneigt und
„hängen" symbolisch an einem Bändchen über einem Aststück (des
Familienstammbaumes).
Über dem Aststück sind eine Meistermarke sowie Stadt- und Beschaumarke
von Stralsund / Anklam 1) eingeschlagen.


1) Die Stadt- und Beschaumarken der der Städte Anklam und Stralsund waren in der Zeit der Fertigung der Sarkophage identisch, so dass eine endgültige Zuordnung nur über bekannte Meister vorgenommen werden könnte. Da auch die Meistermarke an diesen Sarkophagen bisher nicht zugeordnet werden konnte, muss diese Frage vorerst offen bleiben.



Weiterhin ist unter den beiden Wappen eine Inschrift, die Titel und
Sterbedaten der Fürstin nennt, eingraviert. Die Buchstaben wurden auf
gerade gezogenen Hilfslinien graviert.
Unter der Inschrift zeigt die Gravur ein Kreuz mit verbreiterten Endungen
(Tatzenkreuz), Die Umrisslinien sind doppelt und annähernd parallel
verlaufend gestochen.
Sowohl die Wandungen als auch die Deckplatte des Sarkophages sind an den
Kanten mit einem gewalzten Profilband von ca. 20 mm Breite eingefasst.
An den Längskanten der Deckplatte sind weiterhin zwölf kalottenartige
Zierteile mit einem Durchmesser von ca. 60 mm in gleichen Abständen
angebracht, die Kalotten sind gegossen, oder auch auf der Drückbank
vorgefertigt und anschließend auf der Drehbank überdreht worden
(Drehrillen). In zwei zentrisch vorgestochenen Kreisen zeigen die Kalotten
eine einfache Punzierung. Das Profilband ist am jeweiligen Ort ihrer
Anbringung unterbrochen.
Eiserne Streben die an anderen Sarkophagen Seitenwänden und Deckplatten
zusätzlichen Halt geben, sind an diesem nicht festzustellen.



Abb.10 Die Deckplatte vom Sarkophag der Herzogin Maria von Sachsen
 

 


IN DIESEM ZINNERN SARCKE RVHET DIE DVRCHLEVCHTIGE HOCHGEBORNE FVRSTIN
VND FRAW FRAW MARIA GEBORNE AVS CHVRFVRSTCHEM STAMMEN ZV SACHSSEN HERTZOGIN ZV STETTIN POMMERN DER CASSVBEN VND WENDEN FVRSTIN ZV RVIGEN VND GREFIN ZV GVTZKOW WELLICHE AM 7 IANVARII
ANNO 1S83 ZWISCHEN EILFF VND 12 VHR ZV MITTAGE SELIGLICH GESTORBEN VND AM 25 IANVARI ANNO 1583 ALHIE CHRISTLICH BEGRABEN


Inschrift von der Deckplatte der Herzogin Maria von Sachsen

 

4.5. Der Sarkophag des Herzogs Philipp-Julius (1584 1625)


Von den sieben Sarkophagen, der in St. Petri zu Wolgast bestatteten
Mitglieder des Herzogshauses Pommern - Wolgast, ist der des Herzogs
Philipp - Julius der prunkvollste.
Reiche Verzierungen schmücken alle vier Seiten und die Deckplatte des
Sarkophages. Neben fläche füllenden Gravuren mit floralen Motiven, sind die
Kanten mit ornamentalen Applikationen geschmückt. Plastische
Darstellungen zeigen Hermen, Engelsköpfe und Halbfiguren. Die Deckplatte
zeigt neben den schon genannten Applikationen Inschriften, eine
Kreuzigungsgruppe und das in Zinn gegossene Wappen des Herzogs. Die
Applikationen sind farblich gefasst und zum Teil vergoldet. Getragen wird
der Sarkophag von sechs dreizehigen Fußplastiken.
Die Länge beträgt 2340 mm, die größte Breite 800 mm und die größte Höhe
680 mm. Die Wandstärke der Zinnplatten beträgt 3,5 ... 4,0 mm und das
errechnete Gewicht liegt bei ca. 220 kg.
Gefertigt wurde er aus vielen kleineren Zinnplatten (ca. 200 x 300 mm), die
zu großen Tafeln miteinander verschweißt wurden. Sämtliche Nähte sind im
Sichtbereich so fein versäubert, dass sie mit bloßem Auge nicht feststellbar
sind. Lediglich auf der Unterseite der Bodenplatte ist der Nahtverlauf
eindeutig feststellbar.
Nach erfolgtem Zuschnitt wurden die Tafeln kastenförmig zusammengestellt
und an den Kanten miteinander verlötet. Noch vor dem Zusammenbau
wurden die Platten graviert. Die in „Flachstich" ausgeführten Gravuren
zeigen Vasen, Blumen und Rankenmotive, die von geübter Hand gestochen
wurden. Welcher Meister diese Arbeiten ausgeführt hat, konnte bisher nicht
herausgefunden werden. Auch zur Herkunft dieses Sarkophages insgesamt
konnten bisher keine Meister- und Beschaumarken festgestellt werden. Die
Innenseiten der Zinntafeln weisen das gleiche eingeritzte Rautenmuster auf,
wie sie beim Sarkophag der Herzogin Sophia Hedwig beschrieben sind.
Die gegossenen Applikationen sind auf die Wandungen zum Teil aufgenietet.
Die in das Innere ragenden Nietenden sind in diesem Fall mit der Wandung
verlötet.
Andere Teile, wie die gesamte Bandapplikation an den Rändern, sind durch
Lötung partiell geheftet und nicht durchgängig mit dem Untergrund
verbunden.
Gegossen wurden die einzelnen Teile in Metallformen (Kokillenguss), die
hohe Stückzahlen und formgenaue Güsse zuließen. Die hier verwendeten
Teile finden sich auch an Sarkophagen anderer Grüfte. Sie sind Zeugnis
dafür, dass diese Teile „zugekauft" sind, um dann in individuellen Lösungen
verarbeitet zu werden.
Der Sarkophag von Sophia - Hedwig, der sechs Jahre später gefertigt wurde,
weist Bauteile aus den gleichen Gussformen auf.
Die Deckplatte ist nach der Bestattung des Herzogs rundum mit der
Wandung verlötet worden. Die Lötnähte sind fein versäubert.
Um einem Durchhängen der Deckplatte vorzubeugen, wurden an der
Oberkante der Seitenwände vier eiserne Querstreben eingearbeitet. Sie liegen
mit einer hakenförmigen Ausarbeitung auf der Seitenwand auf und sind so in
den Rand und die Lötnaht integriert, dass sie kaum auffallen. Die
Bodenplatte ist mit zwei Eisenstreben verstärkt.
Auf die Deckplatte wurde das ebenfalls in Zinn gegossene große Wappen
des Herzogs gelötet. Es zeigt plastisch ausgearbeitet zehn Wappenfelder, die
für die Teilgebiete des Herzogtums stehen. Das Wappen ist von einem
Blattkranz umrahmt. Die Reste der ehemaligen Farbfassung sind noch gut zu
erkennen.
Weiterhin ist die Kreuzigungsgruppe in der Mitte der Deckplatte plastisch
ausgeführt und ebenfalls mit einer Farbfassung versehen, die Hautpartien der
Figuren lassen Reste einer Blattvergoldung erkennen.
 

Abb. II Zeichnerische Darstellung der Deckplatte vom Sarkophag des Herzogs Philipp - Julius


• HOSAE
AM XIII
• ICH WIL SIE ERLÖSEN AVS DER HELLE • VOM TODT
WIL ICH SIE ERRETTEN 
TODT ICH WILL DIR EIN GIFFT SEIN •
HELLE ICH WILL DIR EIN PESTILENTZ SEIN •


IOHAN AN XIII •
EGO VIVO ET VOS VIVETIS
 

DER DVRCHLEVCHTIG HOCHGEBORN
HOCHWVRDIGER FVRST VND HERR • HERR
PHILIPPVS IVLIVS HERTZOG ZV STETTIN IN POMMERN
DER CASSVBEN VND WENDEN
FVRST ZV RVIGEN
- OADDIVTOR DES STIFFTS CAMMIN GRAFFE ZV GVTZKOW
- - D - - RR DER LANDELAWENBVRG VND BVTHOW
IST GEBORN
------ RSTLICHEN HAVSE WOLGAST
ANNO 1584
AM - - - DECEMBRIS
VMB HALB 10 VHR VORMITTAGE HAT
R---- RT • Z--AHR
4 • MONAT HAT SICH EHLICHEN BEISETZEN
- RE --- GNISEN GEBOREN MARGGRAFFIN ZV BRANDENBVRG

 

1604- 5 IVNI-
V-R --- N ZV WOLGAST
FEBR --- ALB IZVIR
5 W — • 6 TAGE

 

IST IN GODT SEHLIG
ANNO 1625
AM 6 • TAG
 SEINES ALTERS 40
IAHR
2
STVNDEN •


--------------

D --- E GEWISLICH WAHR •
---— H EVR WERTHES WORT

----HRISTVS IN DIE WEL
ER ---NIST • DIE SVNDER
SELIGH ZV MACHEN

 

 

BERNHARD

TVRBABOR SED NON
HVMANAE SALVS EST
PERTVRBABOR
 QVIA VVLNERVM
CHRISTI RECORD
ABOR

-- B AM 19
ICH WEIS DAS MEIN ERLOSER
LEBET VND ER WIRT MICH HER
•NACH AVS DER ERDEN
AVFERWECKEN
VND WERD-
DARNACH MIT DISER MEINER
HAVT VMBGEBEN WERDEN
VND WERDE IN MEINEN
FLEISCHE GODT SEHEN

VND KEIN FREMBDER •


AMBROS

SALVATORIS PASSIO VITA
HUMANAE SALVS EST
 


 

A • N • G • W • W • G • V • H • W •G


2
THIN AM 4 •
ICH HAB EINEN GVTEN KAMPF GEKEMPFET
ICH HABE DEN LAVF VOLENDET • ICH HABE
GLAVBEN GEHALTEN
HINFORT IST MIR BEIGELEGT
DIE KROHN DER GERECHTIGKEIT
WELCHE MIR
DER HERR AN IEHNEM TAGE DER GERECHTEN
                    RICHTER GEBEN WIRT


HIERONYM •


SEMPER SONAT IN AVRIBVS MEIS VOXILIA
SVRGITE MORTVIET AD IVDICIVM
 

Der untere Teil der Inschrift von der Deckplatte des Sarkophages des Herzogs Philipp Julius;
für verlorengegangene Buchstaben wurden --------- eingefügt.
 

4.6. Der Sarkophag des Herzogs Ernst - Ludwig (1545 - 1592)


Unter den Sarkophagen in der Gruft der Petrikirche stellt der vom Herzog
Ernst - Ludwig eine Besonderheit dar. Er ist der Einzige, dessen Deckplatte
in eine Führungsnut lose eingeschoben ist. Zusätzlich ist seine Deckplatte
noch mit einem kleinen Schiebefenster versehen, das einen Blick ins Innere
ermöglicht.
Warum dieser Sarkophag eine solche Bauart aufweist und welche
Zusammenhänge darum bestehen, konnte bisher nicht eindeutig geklärt
werden. Ähnlich konstruierte Sarkophage konnten, zumindest in den Grüften
der näheren Umgebung, nicht ermittelt werden.
In dieser Form stellt er somit eine Rarität dar, die im Fortgang der Arbeiten
noch weiter in den Vordergrund gerückt wird
.


Abb. 2 Querschnitt durch den Sarkophag des Herzogs Ernst - Ludwig
Die Skizze verdeutlicht den Aufbau des Sarkophages aus den einzelnen Zinntafeln
und zeigt den Schnitt in Höhe des Schiebefensters der Deckplatte


Als Werk seiner Zeit ist der Sarkophag sehr schlicht gehalten und zeigt nur
auf der Oberseite und an den Rändern verhaltene Gravuren und
Punzierungen.
Er ist als Kastenkonstruktion mit trapezförmigem Grundriss ausgeführt. An
die Bodenplatte sind die Seitenwände angelötet und am Kopf- und Fußende
sind die ebenfalls trapezförmigen Platten mit den Seitenwänden und der
Bodenplatte verlötet.

Die Seitenlänge beträgt 2040 mm. Das Kopfteil ist 550 mm hoch und das
Fußende 450 mm. Die Breite des Kopfteiles beträgt am oberen Rand 720 mm
und am unteren Rand 610 mm. Das Fußteil ist am oberen Rand 570 mm breit
und am unteren 480 mm.
Das errechnete Gewicht beträgt ca. 200 kg.
Er wurde in allen Einzelteilen aus einer Zinnlegierung hergestellt.
An einigen seiner Teile lässt sich sehr genau die Fertigungstechnologie
anhand der vorhandenen Werkspuren ablesen.
So wurden die einzelnen Tafeln nicht in einem Stück gegossen, sondern aus
vielen kleinen Einzelplatten (ca. 200 x 300 mm) die miteinander verschweißt
wurden. Nach der Bearbeitung der Lötnähte wurden die großen Tafeln dann
in einem Stück übergewalzt, so dass die Platten heute wie aus einem Guss
erscheinen. 1)


1) An einigen Stellen deuten Spuren wie sie nur beim Walzen entstehen können, auf diesen Arbeitsgang. Die verhältnismäßig konstante Dicke der Zinntafeln aller Sarkophage lässt sich nur auf walztechnischem Weg erzielen, was dafür spricht, dass alle Tafeln nach dem Verschweißen und Versäubern der einzelnen Platten übergewalzt wurden. Für beide Technologieverfahren lassen sich Werkspuren an allen Sarkophagen nachweisen.



Nach dem Zusammenbau der einzelnen Teile wurde der obere Rand mit einer
Führungsnut versehen, in welche die Deckplatte passgenau eingeschoben
werden konnte.
Um zu verhindern, dass sich die Deckplatte mit der Zeit durch ihr
Eigengewicht verformt und „durchhängt", wurde in der Mitte der Seitenwand
von einer zur anderen Seite eine ca. 20 mm breite und ca. 8 mm dicke
Eisenstrebe eingesetzt, die der Deckplatte hier als Auflage dient und
gleichzeitig verhindert, dass die Seitenwände auseinandergedrückt werden.
Am Kopfteil der Deckplatte ist zur Verstärkung ein ca. 50 mm breiter
Zinnstreifen aufgelötet.
Der obere Rand des Sarkophages ist mit einem Blütenmuster geschmückt,
das mit einem Musterpunzen eingeschlagen wurde und zusätzlich von einem
Tremblierstich begleitet.
Sehr aufwendig wurde die Deckplatte graviert, die neben einer
Gottvaterdarstellung eine Kreuzigungsgruppe, das große pommersche
Wappen und die einzelnen Wappen des Herrschaftsbereiches zeigt. Weiterhin
sind Inschriften in das kleine Schiebefenster und auf die Oberseite der
Deckplatte graviert. Alle Gravuren sind sehr ausdrucksstark und von geübter
Hand ausgeführt.

Abb. 13 Zeichnerische Darstellung der Deckplatte vom Sarkophag
des Herzogs Ernst - Ludwig

• ES HAT • AVCH V • G • F • VND • H HOCHSELIGER •
GEDECHTNIS
NACH • FOLGENDES TROST GEBETLIN
GESPROCHEN • VND
NACHMALS WIFES • I • F G • NOCH •
• EINMAHL • VND • ZWAR • ZVM • ALLER • LEHSTEN • IST
FVRGESAGT • HABEN • SIE • ES • OB • SE • NICHT • VIEL • MEHR •
• REDEN • KÖNNEN • DENNOCH
AVSDRVCKLICH BEIAHET •
• AVCH • MIT • DEM • HEVPT • DEVTLICH • EIN • ZEICHEN-
• DAZV • GEGEBEN - VND • BÄLDE • DAR • AVF • VOR •
SCHIEDEN

OIESV • DIR • LEBE • ICH - DIR • STERBE • ICH • DEIN •
• BVN • ICH • TODT • VND • LEBENDIG • ACH • HERE •
• MACH MICH - GERACH • VND • SELIG

HER • IESV • NIMM • MEINEN • GEIST • AVF • DV • HAST •
MICH • ERLOSET • DV • TRVEWER • GODT

DAS • SIND • DIE • LETZTEN • WORT • GEWESEN
DIE •
I • F • G • NOCH • HABEN • HÖREN • KÖNNEN
AVCH ANGENOMMEN • VND • DAMIT • EIN • SELIGE • HINFART
GEHALTEN

IOB AM 19CAPITTEL  

ICH WEIS DAS MEIN ERLOSER LEBET VND
ER WERT MICH HERNACHER AVS DER ERDE
AVFERWECKEN VND WERDE DAR NACH MIT
DISSER MEINNER HAVT VMBGEBEN WERDEN
VND WERDE IN MEINEN FLEISCHE GOT SEHEN


 ZV PHILIPPER AM I CAPIT

CHRISTVS IST MEIN LEBEN VND STERBEN
IS MEIN GEWEIN VND HABE LVST ABZV SCHEIDEN
VND BICHRIS TO ZVSIN

 



 

ERNESTVS • LVDOVICVS • EIVS • NOMINIS
PRIMVS • DEI
GRATIA • STETINENSIVM • PO
MERANVM • CASSVBIORVM
ET • VANDA
LORVM • DVX • PRINCEPS • RVGLE • COMES •
GVTZKVIAE • DOMINVS • IN • LOWENBURGK
• ET • BVTOW • PIE • OBYT
17 DIE • IVNY • HIC • 19 •
SEQVENTIS • MENSIS • IVLY • SEPVLTVS • ANNO
 
MD XCII • AETATIS • SVAE • XLVII • GVBERNATIO
NIS • XXII • POSTQVAM • IN • CONIVGIO • CVM • ILLVS
TRISSIMA • PRINCIPE • SOPHIA
HETWIGE • NA
TA • EX • DVCATI • DOMO • BRVNSWICENSI • AC
LVNEBVRGENSI • ANNOS • QVATVORDECIM •
• VIXISSET • DE
ECCLESIA • CHRISTI • ET • PA
TRIA • PRAE • MERITVS •


Gravierte Inschriften auf der Deckplatte und dem Schiebefenster vom Sarkophag des Herzogs Ernst - Ludwig
 

Abb. 14 Kreuzigungsgruppe auf der Deckplatte des Sarkophages
Herzog Ernst - Ludwigs


Diese Gravur wurde auf drucktechnischem Weg vom Grafikdrucker Ernst Lau von der Deckplatte abgenommen. Es ist vorgesehen, in einem zweiten Schritt auch die anderen Gravuren von der Deckplatte abzunehmen und in die weiteren Veröffentlichungen einzubeziehen.


4.7. Der Sarkophag der Herzogin Sophia - Hedwig (1561 - 1631)
 

Der Sarkophag der Herzogin Sophia - Hedwig ist ähnlich prunkvoll gestaltet
wie der ihres Sohnes Philipp - Julius. Üppige Verzierungen, vorwiegend
plastisch ausgeführt, schmücken Seitenwände und Deckplatte, ornamentale
Applikationen die Kanten.
Plastische Darstellungen zeigen Halbfiguren an den vier senkrechten Kanten.
Die Seitenflächen werden von Engelsköpfen, die von ornamentalen
Einrahmungen umgeben sind, geschmückt. Auf der Deckplatte ist neben
Inschriften das in Zinn gegossene Wappen der Herzogin und eine
Kreuzigungsgruppe dargestellt.
Der Sarkophag wird von zehn Fußplastiken, die an der Bodenplatte verlötet
sind, getragen.
Die Länge des Sarkophages beträgt 2050 mm, die größte Breite 840 mm; die
Höhe am Kopfteil beträgt 710 mm und am Fußteil 660 mm. Die Wandungen
sind ca. 3,5 mm stark und das errechnete Gewicht beträgt ca. 220 kg.
Gefertigt wurde der Sarkophag aus einzelnen Zinntafeln, die vermutlich auch
hier aus einzeln gegossenen Platten, die miteinander verschweißt sind,
bestehen. Die Zinntafeln weisen an den Innenflächen eine Besonderheit auf,
die bisher nicht zweifelsfrei interpretiert werden kann. Alle Innenflächen sind
mit sich kreuzenden, diagonalen und im Abstand von ca. 5 cm verlaufenden
Linien überzogen. Diese sind eingeritzt, d. h. mit einer Art Reißnadel am
Lineal entlang gezogen. Möglicherweise sollten sie die Flächen nur etwas
beleben und schmücken, obwohl nach dem Einsetzen des Sarges nichts mehr
von ihnen zu sehen war.
In welcher Werkstatt der Sarkophag gefertigt wurde, konnte bisher nicht
herausgefunden werden. Sowohl Meister- als auch Beschau- und
Stadtmarken konnten noch nicht festgestellt werden.
Die gegossenen Applikationen sind mit Zapfen, die in das Innere ragten, an
den entsprechenden Stellen verlötet. Alle Lötungen wurden fein versäubert,
so dass sie kaum feststellbar sind.
Andere Teile, wie die gesamte Bandapplikation an den Rändern, sind durch
Lötung partiell geheftet.
Gegossen wurden die einzelnen Teile in Kokillen aus Metall oder auch Stein,
die formgenaue Güsse und hohe Stückzahlen ermöglichten. Die gegossenen
Teile finden sich auch an Sarkophagen anderer Grüfte, so dass auch hier
davon auszugehen ist, dass diese Teile „eingekauft'' wurden, um dann an
individuellen Objekten verarbeitet zu werden. Der sechs Jahre später als der
von Herzog Philipp - Julius gefertigte Sarkophag von Sophia - Hedwig, weist
Bauteile aus den gleichen Gussformen auf.
Die Deckplatte ist nach der Bestattung der Herzogin rundum mit der
Wandung verlötet worden. Die Lötnähte sind versäubert.

Um einem Durchhängen der Deckplatte vorzubeugen, wurden an der
Oberkante der Seitenwände zwei eiserne Querstreben als zusätzliche Auflage
eingearbeitet. Sie liegen mit ihren hakenförmigen Ausarbeitungen auf den
Seitenwänden auf und sind so in den Rand und in den Verlauf der Lötnaht
integriert, dass sie kaum bemerkt werden.
Auf die Deckplatte wurde das ebenfalls in Zinn gegossene große Wappen der
Herzogin gelötet. Es zeigt plastisch ausgearbeitet acht (?) Wappenfelder, die
für Herkunft und Herrschaft der Herzogin stehen. Es ist von einer
Wappenzier umgeben und wird von einem Blattkranz umrahmt.
Da das Wappen in dieser Art nur einmal benötigt wurde, kann davon
ausgegangen werden, dass es nach dem Wachsausschmelzverfahren gefertigt
wurde.
Reste einer ehemaligen Farbfassung sind nur schwer zu deuten und
erstrecken sich nur auf das Wappen und die Kreuzigungsgruppe.
Die Kreuzigungsgruppe in der Mitte der Deckplatte ist plastisch ausgeführt
Abb. 15 Befestigung von Applikationen, vornehmlich der Engelsköpfe und der Blattkränze, an den Wandungen des Sarkophages und um das gravierte Kreuz oberhalb des Wappens angeordnet.


 

Abb. 15 Befestigung von Applikationen, vornehmlich der Engelsköpfe und der Blattkränze, an den Wandungen des Sarkophages

 

Abb. 16 Zeichnerische Darstellung der Deckplatte vom Sarkophag der Herzogin Sophia - Hedwig

APOCALYS I
FVRCHTE
DICH NICHT
ICH • BIN • DER • ERSTE • VND • DER • LETZSTE
VND • DER • LEBENDIGE • ICH • WAR TODT
VND
SIEHE • ICH • BIN • LEBENDIG • VON • EWIGKEIT
ZV • EWIGKEIT • VND • HABE • DIE • SCHLVSSELL
DER • HELLEN • VND • DES • TODES
• IOHANII
 

ICH • BIN • DIE • AVFFERSTEHVNG • VND •
• DAS •                           • LEBEN •
 

INRI

 

•AD PHILIPP3
VNSER • WANDEL • IST • IM
 HIMMEL • VON • DANEN
 WIR • AVCH • WARTEN
 DES • HEILANDS • JESV
 CHRISTI • WELCHER
 VNSERN • NICHTIGEN
 LEIB • VER • KLEREN • WIRD
 DAS - ER • AHN • LICH • WERD

•JOB 19
ICH • WEIS- DAS • MEIN - ERLOSER
 LEBET • VND • ER • WIRDT • MICH
HERNACH • AVS • DER
ERDEN
 WIDER • AVFERWECKEN • VND
WERDE • DAR • NACH • MIT • DIE
SER • MEINER • HAVT • VMB • GE
BEN • WERDEN • VND • WERD
IN
MEINEM FLEISCH • GOTT
SEHEN • VND • KEIN • FREMBDER


Oberer und mittlerer Teil der Inschrift auf der Deckplatte des Sarkophages Der Herzogin Sophia - Hedwig
 

DIE • DVRCHLEVCHTIGE
HOCHGEBORNE FVRSTINNE VND

FRAW FRAW • SOPHIA • HETWIG

GEBORNE ZV BRAVNSCHWEIG VND

LVNEBVRG HERTZOGINN ZV STETTIN

POMMERN DER CASSVBEN • VND
WENDEN FVRSTINN • ZV • RVGEN

GRAEFINN • ZV • GVTZKOW • VND

FRAW DER LADE LAWENBVRG

VND BVTOW IST GEBOREN AVF DEM

FVRSTLICHEN HAVSE WVEFENBVT

TELL ANNO 1561 DEN 30 NOVEMBER

WARDT EHLIG VEMEHLET VND

BEIGESETZET DEM DVRCHLEVCHTIGEN
HOCHGEBORNEN FVRSTEN VND HERNN
HERN ERNST LVDWIGEN HERTZOGEN

ZU STETTIN POMMERN ANNO 1577
DEN 20 OCTOBRIS IST IN GOTT SEHLIG
VERSCHEIDEN ZO LOITZ ANNO 1631
DEN 30 IANVARY IHRES ALTERS 69 IARS
VND ZWEY MONATH

ES • KOMPT • ALLES • VON • GOT
GLVCK • VND VNGLVCK • ARMVHT

VND • REICHTHVMB • LEBEN • VND • TOD

1-6-3-2

Gravierte Inschriften auf der Deckplatte des Sarkophages der Herzogin Sophia - Hedwig (unterer Teil der Inschrift)

 


 

5. Die praktischen Arbeiten zur Restaurierung

5.1. Der Zustand des Materials „Zinn"
 

Die aus Zinnlegierungen gefertigten Sarkophage weisen unterschiedliche Legierungsbestandteile von hauptsächlich Blei, Wismut und Antimon auf. In Spuren sind Kupfer, Arsen und Eisen in den Legierungen vorhanden. Zinn ist ein stark glänzendes, silberweißes Metall mit einem Schmelzpunkt von 232 C. Es hat nur eine geringe Härte und Festigkeit. Dagegen ist es gut dehnbar, so dass man es zu dünnen Folien ausschlagen und auch walzen kann. Beim Biegen von Zinnstäben reiben sich die Kristallflächen aneinander und es entsteht ein deutlich hörbares Geräusch, der sogenannte „Zinnschrei". Von Luft und Wasser wird Zinn bei gewöhnlicher Temperatur nicht, oder nur wenig angegriffen. Trotzdem finden Korrosion und Zersetzung statt, die durch verschiedene Einflüsse beschleunigt wirkt.
Zinnobjekte werden hauptsächlich durch Gießen in Formen hergestellt. Meistens kommt hierfür kein reines Zinn, sondern Legierungen mit Blei, Wismut und Antimon zur Anwendung. Zunftregeln legen seit Jahrhunderten die Legierungsbestandteile, besonders beim Haushalts- und Geschirrzinn, fest. Nach dem Guss der Einzelteile und der Bearbeitung der Oberflächen, werden diese durch Löten, Nieten oder andere Verbindungstechniken zu einem Ganzen gefugt und können in Gebrauch genommen werden. So entstanden, und entstehen immer noch nach den gleichen Technologien, Leuchter, Kannen, Teller, Pokale, Orgelpfeifen und auch Sarkophage. Viele Teile werden in Museen, Ausstellungen und Depots verwahrt, andere sind immer noch in Nutzung.
Abb. 17 Querschliff einer Materialprobe von der Deckplatte des Sarkophages Philipp I.
Die Oberseite der Platte zeigt deutliche Veränderungen in der Materialstruktur,
die fast ein Viertel der Plattenstärke ausmachen.
Das Material der Wolgaster Sarkophage zeigt sehr vielfältige Korrosionsformen in den unterschiedlichsten Stadien. Angefangen bei gerade beginnender Verfärbung der Metalloberflächen, bis zur völligen Auflösung des Metalls. Sichtbar werden die Veränderungen beim Blick durch das Mikroskop auf den Querschnitt des Materials.


 

Abb. 17 Querschliff einer Materialprobe von der Deckplatte des Sarkophages Philipp I. Die Oberseite der Platte zeigt deutliche Veränderungen in der Materialstruktur, die fast ein Viertel der Plattenstärke ausmachen.
 

Daraus ergeben sich Konsequenzen die von entscheidender Bedeutung für den weiteren Umgang mit dem Material „Zinn" sind.
Wollte man Korrosionsschichten bis auf das blanke Metall abtragen, wäre das gleichbedeutend mit einem Materialverlust von ca. 25%. Gleichzeitig wäre die im Verlauf von Jahrhunderten gewachsene Patina zerstört und die Sarkophage würden wie neu und eben fertiggestellt aussehen. Durch Korrosion, die in einigen Fällen mit erheblichen Volumenvergrößerungen einhergegangen ist, kam es in diesen Bereichen per se zu erheblichen Material Verformungen bis hin zu Totalverlusten, speziell an den unteren Rändern und den Bodenplatten der Sarkophage. Hier spielten auch die Einflüsse der Gerbsäure aus den Eichenholzsärgen eine negative Rolle. Speziell an den Stellen wo das Holz direkt an den Zinnplatten anlag, zeigen sich die stärksten Schädigungen.
Nicht zu vergessen sind die Schäden, die den Sarkophagen bei der Grabplünderung zugefügt wurden. Sie sind mit extremen Verformungen, die bis zur Faltung des Materials reichten, verbunden.



Abb. 18 Korrosion mit Volumenvergrößerung
An dieser Stelle lag der Eichenholzsarg direkt am Metall an,
was letzten ünäes zu den ausgeprägten Korrosionsersdieimmgen führte.
Die Höhe der Wölbung beträgt an der höchsten Stelle ca. 2 cm.
Obwohl das Material an der Außenseite nahezu unversehrt aussieht,
sind von der ursprünglichen Materialstärke nur noch ca. 10% vorhanden.
unhehandelt, würde an dieser Stelle in naher Zukunft ein große Fehlstelle
zu verzeichnen sein.
 

Abb. 19 Interkristalline Korrosion
Extreme mechanische Verformungen führten im Zusammenwirken mit korrosiven Medien 1) zu speziellen Korrosionsformen,
die das Metall von innen heraus zerfallen lassen.
In diesen Bereichen kam es zum Verlust von Teilen der Oberfläche,
in die Buchstaben graviert waren.


1) Jeder Stoß oder Schlag, hat eine Verformung des Materials, sprich Delle zur Folge. Diese Verformung geht immer einher mit Verschiebungen im Kristall gefüge des Metalls. Tritt nun ein korrosives Medium hinzu, kann es im Laufe der Zeit zu Zerfallserscheinungen kommen, die an diesen Stellen bis zum Totalverlust gehen können. Als korrosives Medium kann im Fall der Sarkophage Staub in Verbindung mit der relativ hohen Luftfeuchtigkeit in der Gruft angesehen werden.
21 Bis zur Installation eines mobilen Klimagerätes in der Gruft im Jahr 1996, betrug die relative Luftfeuchtigkeit 95 ... 98 % bei jahreszeitlich schwankender Temperatur von ca. 0°C im Winter, bis ca. 20" C in den Sommermonaten. Mit Installation des Klimagerätes wurde die relative Luftfeuchtigkeit auf einen Wert um 60 % abgesenkt. In den Sommermonaten werden der Raumluft auf diese Weise täglich ca. 8 bis 10 Liter Wasser entzogen.


Auffällig an allen Sarkophagen ist die unterschiedliche Patinaausbildung an waagerechten und senkrechten Bauteilen. So zeigen die Oberflächen aller Deckplatten eine wesentlich stärker ausgebildete Patina als die nahezu senkrecht stehenden Seitenwände. Eindeutige Ursache hierfür sind Staubablagerungen mit den kumulativ angelagerten Schadstoffen aus der unmittelbaren Umgebung der Sarkophage. Die hohe relative Luftfeuchtigkeit"' in der Gruft tat ein Übriges um hier kontinuierlich ablaufende Korrosionsprozesse in Gang zu halten

 

5.2. Die Reinigung der Metalloberflächen


Um den Grundstock für alle anderen Arbeiten zu legen, wurde zunächst die gesamte Oberfläche der Sarkophage gereinigt. Hierzu wurden angefeuchtete Wattestäbchen verwendet und Quadratzentimeter für Quadratzentimeter der Oberfläche vom Staub und anderen Ablagerungen der Jahrhunderte befreit. Jeder Gravurstich und jede andere Verzierung wurde so gereinigt, bis die Metalloberfläche freigelegt war. Für die Reinigung eines Sarkophages auf diese Weise wurden ca. 300 Stunden benötigt und ca. 5500 Wattestäbchen dabei verbraucht.
Als besonders empfindlich erwiesen sich die farblich gefassten Bereiche an den Sarkophagen des Herzogs Philip - Julius und der Herzogin Sophia - Hedwig. Die Reinigung dieser Teile erfolgte, indem die entsprechenden Flächen mit demineralisiertem Wasser angefeuchtet wurden und unmittelbar danach der angelöste Schmutz mit weichen Baumwollläppchen aufgenommen wurde. Die Zeitspanne zwischen anfeuchten und Schmutz aufnehmen war sehr gering und erforderte höchste Aufmerksamkeit, um die Farbschichten nicht mit abzulösen.
Das Ergebnis zeigt die metallische Oberfläche mit ihrer gewachsenen Patina und die gereinigte Farbfassung.


Abb.20 Reinigung der Metalloberflächen
Die einzigen „ Werkzeuge " die keinerlei sichtbare Spuren
in der Metalloberfläche und deren Patina hinterließen, sind Wattebausch und
Wattestäbchen.
Die Wattestäbchen wurden mit synthetischer Speichelersatzflüssigkeit SR 90, die sich in der Restaurierung bei der Reinigung von empfindlichen Teilen
als besonders geeignet erwiesen hat, angefeuchtet.
Als Lichtquellen wurden Tageslichtlampen genutzt und als optische Hilfsmittel kamen Gesichtsfeldlupen zum Einsatz.
 

Abb.21 Reinigungsmittel Andere Reinigungsmittel als die hier gezeigten, konnten nicht eingesetzt werden.


An einigen Stellen, denen Wachs, Mörtelspritzer und ähnliche Ablagerungen
anhafteten, kamen zur Unterstützung, dem jeweiligen Zweck entsprechend
zugerichtet, Balsaholzstäbchen zum Einsatz. Balsaholz ist sehr weich und
leicht und hinterlässt ebenfalls keine sichtbaren Spuren im Metall und in der
Patina.
Die folgenden zwei Fotos zeigen die gleiche Figur vor Beginn der
Reinigungsarbeiten und nach der Reinigung.
 

Abb. 22 Vor der Reinigung                        Abb.23 Nach der Reinigung mit bereits
                                                                            gerichteter Deckplatte
 

5.3. Entdeckungen


Bei der Reinigung der Metalloberflächen wurden mehrere Entdeckungen gemacht, die so nicht zu erwarten waren:
Die erste Beobachtung war, dass die großen Platten, aus denen die Sarkophage zusammengesetzt sind, nicht aus einem Stück gefertigt wurden, sondern aus vielen kleinen Einzelplatten, die miteinander zu den großen Tafeln verschweißt sind. Auf den Sichtseiten sind die Schweißnähte so fein versäubert, dass sie mit bloßem Auge nicht feststellbar sind. Auf den Innenseiten der Sarkophage zum Teil und auf den Unterseiten der Bodenplatten vor allem, sind sehr deutliche Bearbeitungsspuren zum Glätten der Nähte zu beobachten. Vorwiegend mit Schabern wurden die Unebenheiten der Schweißnähte geglättet, um auf den Außenseiten mit immer feiner werdenden Schleif- und Poliermitteln nachzuarbeiten.

 

Abb.24 Deckplatte vom Sarkophag der Herzogin Sophia - Hedwig Auf der Unterseite der Platte sind an den Schweißnähten deutlich die
Spuren der Schabwerkzeuge zu erkennen. Sogar die Breite der verwendeten Schaber lässt sich noch ablesen.
 

Die zweite Entdeckung betraf die Sarkophage der Herzogin Maria von Sachsen und der Prinzessin Hedwig - Maria. Hier wurden Meister-, sowie Stadt- und Beschaumarken gefunden, die für eine Fertigung der Sarkophage in Stralsund oder Anklam stehen.
Eingeschlagen wurden diese am oberen Ende der Deckplatten mit entsprechenden Punzen.
Die Marken an sich stellen noch keine große Besonderheit dar. Bei der Betrachtung der Meistermarke durch eine starke Lupe fiel jedoch ein verstecktes Gesicht auf, das in den Halbmond der Marke integriert ist. Leider ist es bis heute nicht gelungen, die Meistermarke HM zuzuordnen und an einer bekannten Person festzumachen.

Abb.25 Die Meistermarke Die Meistermarke ist insgesamt ca. 8 mm hoch.

Abb.26 Meistermarke, Stadt-und Beschaumarke
Die früheren Zunftordnungen legten fest, wie bestimmte Erzeugnisse
der Gold- und Silberschmiede und auch der Zinngießer zu kennzeichnen waren.
Die Marken standen für genau definierte Qualitätsansprüche und waren
sozusagen Gütesiegel für bestimmte Produkte.
 

Eine dritte Entdeckung wurde gemacht, als die Sarkophagoberflächen mit ultraviolettem Licht begutachtet wurden. Einige Bereiche auf dem Metall fluoreszierten sehr stark und hoben sich deutlich von der Umgebung ab. Bei weiteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass seltsame Gespinste aus feinen weißen Fäden an der Oberfläche hafteten, die nur unter dem Mikroskop zu erkennen waren.
Es wurden Proben entnommen und in einem Speziallabor untersucht. Hierbei wurde festgestellt, dass es sich bei den „seltsamen Gespinsten" um mikrobielle Erscheinungen, sogenannte extrazelluläre polymere Substanzen (EPS) handelt, die zum Teil als Pilze identifiziert werden konnten. Warum diese auf den Metalloberflächen siedeln und ob irgendwelche Zusammenhänge mit bestimmten Korrosionserscheinungen bestehen, ist bislang noch nicht geklärt. Das Phänomen wird weiter beobachtet und ist Gegenstand weiterführender Untersuchungen.


Abb.27 u. 28 Extrazelluläre Polymere Substanzen Im ultravioletten Licht und unter dem Mikroskop sind an exponierten Stellen die EPS zu erkennen.
 

5.4. Richtarbeiten an den Sarkophagen


Die Restaurierungskonzeption und die denkmalpflegerische Zielstellung geben vor, die Sarkophage wieder in einen „würdigen Zustand" zu versetzen. Hierzu war es notwendig, umfangreiche Richtarbeiten vorzunehmen und die Deformationen zurückzuformen.
Bevor jedoch mit dem Richten der deformierten Sarkophage begonnen werden konnte, musste der genaue Aufbau und die Montageweise der Einzelteile erkannt werden. Es galt einzuschätzen, ob Lötungen, Eckverb indungen, aufgesetzte Applikationen etc. die Prozedur der Richtarbeiten schadlos überstehen können.
Nach diesem Abwägungsprozess kamen große und kleine Schraubzwingen, verstellbare Druckstangen, Gewindestangen, Spanngurte und ähnliche Hilfsmittel zum Einsatz.


Abb.29
Sarkophag des Herzogs Philipp - Julius Das Bild zeigt den Sarkophag ungeöffnet und mit allen Schäden seit 1688.
 

Abb.30
Die Deformationen am Sarkophag der Herzogin Sophia - Hedwig liegen bis zu 30 cm über den ursprünglichen Formen.
 

Um die Deformationen der Deckplatten einzuebnen, wurden die Zinnplatten auf filzgepolsterte Multiplexplatten (20 mm dick) gelegt und die entsprechenden Deformationen, ebenfalls mit großflächiger Auflage und Lederpolsterung, unter Druck gesetzt. Der ausgeübte Druck wurde über Schraubzwingen eingeleitet.

Abb.31 Rückformungsarbeiten an der Deckplatte des Sarkophages


Damit das Gefüge im Innern des Materials Zinn die Möglichkeit hatte sich neu auszurichten, wurden die Deformationen nicht mit einmal „plattgedrückt", sondern jeweils über mehrere Tage verteilt zurückgeformt. Da das Zinn bereits bei Raumtemperatur rekristallisiert 1) wurden die inneren Spannungen innerhalb von 24 bis 48 Stunden abgebaut und der Rückformungsprozess konnte fortgesetzt werden.
Zur Rückformung der großflächigen Deformationen in den Seitenwänden der Sarkophage wurden große Schraubzwingen angefertigt. Diese wurden so angesetzt, dass sie Druck von außen auf die Deformationen ausüben konnten. Von innen wurden Multiplexplatten mit Druckspindeln gegeneinander verspannt, so dass ein entsprechendes Widerlager vorhanden war. Stück für Stück wurden so die Deformationen in den Zinntafeln auf das gewünschte Maß zurückgedrückt.
Probleme bereiteten stark korrodierte Bereiche mit größerer Flächenausdehnung. Hier musste sehr umsichtig vorgegangen werden, um zu verhindern, dass geschädigtes und poröses Material verloren geht. Bestimmte Bereiche wurden vorher mit Paraloid 2) gefestigt.
 


1) Rekristallisation findet nach Kaltumformung von Metallen bei einer jedem Metall und jeder Legierung eigenen Temperatur statt. Bei einer Kaltverformung wird die innere Struktur des Metallgeftiges gegeneinander verschoben. Dabei entstehen Geiugespannungcn, die bei bestimmten Temperaturen, der "Rekristallisationstemperatur", wieder abgebaut werden können.

2) Paraloid ist ein farbloses Kunstharz, das seit Jahrzehnten in der Restaurierung zum Schutz von Oberflächen und zur Festigung von porösen oder porös gewordenen Materialien verwendet wird. Es hat dauerelaslische Eigenschaften, vergilbt nicht und ist reversibel. In Ethylacetat gelöst, kommt es in unterschiedlichsten Verdünnungsgraden zum Einsatz.
 


 

Abb.32 Richtarbeiten mit großen Schraubzwingen am den Seitenwänden
 

Mit den beschriebenen Mitteln und Methoden ist es gelungen, die gesamten Rückformungsarbeiten zu realisieren, ohne die Oberflächen und die gewachsene Patina zu beschädigen. Völlig glatte Oberflächen, absolut gerade Kanten, rechtwinklige Ecken etc. wurden nicht angestrebt. Auch die ursprünglichen Formen gingen nicht über eine bestimmte oder auch unbestimmte Genauigkeit hinaus. Die Restaurierungsarbeiten hatten die Ansprüche der Zinngießer aus dem 16. und 17. Jahrhundert in Rechnung zu stellen und zu akzeptieren.
 

5.5. Ergänzungen


Neben einigen kleineren Teilen in den Applikationen, fehlte eine Eckfigur am Sarkophag der Herzogin Sophia Hedwig und der Kopf einer Halbfigur am Sarkophag des Herzogs Philipp - Julius. Dadurch waren der Gesamteindruck und die Geschlossenheit der Sarkophagansicht erheblich gestört. Aus diesem Grund wurde nach gründlicher Beratung und Abwägung mit dem Landesamt für Denkmalpflege beschlossen, diese Teile nach den vorhandenen Originalen nachzufertigen und die Kopien in die historische Substanz einzufügen.
Hierzu wurden entsprechende Formen angefertigt und die Teile in einer Zinn — Blei Legierung nachgegossen. Nach der weiteren Bearbeitung der Gussteile wurden die neuen Teile und Figuren an den Sarkophagen befestigt. Um später erkennen zu können, dass es sich um nachträglich eingefugte Teile handelt, wurden diese entsprechend gekennzeichnet und mit der Jahreszahl versehen.
 

                

Abb. 33 u. 34 Kopie eines fehlenden Teiles Das linke Bild zeigt die nach einem Originalteil vom Sarkophag abgenommene Kopie,während das zweite Bild das fertig eingefügte Teil zeigt. Die Originalfiguren sind farblich gefasst und zum Teil, vergoldet. Hierauf wurde bei diesem und auch anderen nachgefertigten Teilen bewusst verzichtet. Auf diese Weise wird bei Vervollständigung der Gesamtansicht deutlich, welche Teile ergänzt und eingefügt wurden.

 Die Befestigung der Teile erfolgte zum einen durch partielle Lötungen, andere Teile liegen nur lose auf oder wurden mit dem später aufgetragenen Konservierungsmittel fixiert.
Künstliche Patinierungen wurden nicht vorgenommen, um zu zeigen, dass hier Neuteile eingefügt wurden.
 

5.6. Statische Maßnahmen


Die Sarkophage haben ein sehr hohes Eigengewicht, (spez. Gewicht für Zinnlegierungen ca. 7,3 ... 7,8 g/cm 3) Die Sarkophage der Herzogin Sophia - Hedwig und des Herzogs Philipp - Julius z. B. wiegen ca. 220 kg, und ohne besondere Stützmaßnahmen würden sich die Seitenwände und die Deckplatten im Laufe der Zeit allein durch ihr Eigengewicht verformen. Um dem entgegenzuwirken, haben schon die Erbauer der Sarkophage Eisenstreben auf die Oberkanten der Seitenwände gelegt und so verhindert, dass sich zumindest die Deckplatten zu stark deformierten. Zusätzlich übernahmen die Holzsärge im Innern eine gewisse Stützfunktion. Da die Holzsärge keine stützenden Aufgaben mehr übernehmen können, war es erforderlich eine Hilfskonstruktion in das Innere des Sarkophages einzubringen, die ihm Halt gibt und verhindert, dass sich das Material auf Grund seines Eigengewichtes wieder verformt.
Von der Stützkonstruktion ist nur der untere Teil sichtbar; alles andere befindet sich innerhalb des Sarkophages.
 

Abb.35 Die Stützkonstruktion im Innern des Sarkophages
Drei einzelne Edelstahlrahmen, die mit gleichzeitig tragenden
"Messingsäulen" verschraubt sind, bilden die Etagen, die später
zwei Edelstahlwannen und die Deckplatte tragen sollen.
Auf der unteren Ebene werden die noch vorhandenen sterblichen Überreste
gebettet. Die zweite Etage nimmt in einer gleichen Wanne die noch vorhandenen Teile des Holzsarges auf. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass bestimmte Fragen die heute unbeantwortet bleiben müssen, zu einem späteren Zeitpunkt aktualisiert und weiter erforscht werden können.
 

Die Deckplatte des jeweiligen Sarkophages liegt auf einem Rahmen auf, der in der Höhe justiert werden kann, und die Möglichkeit bietet, ihn auf einfachste Weise abzuheben und wieder aufzusetzen. Gleichzeitig nimmt er die zum Teil noch originalen Eisenstreben auf, welche die Seitenwände in definierten Positionen halten

Abb.36 Aufsetzen der Deckplatte Konische Elemente an den Auflagepunkten führen
die Deckplatte an ihren "Platz". Drei Millimeter starke Edelstahlseile sind in den oberen Rahmen integriert und ermöglichen so die Handhabung der Deckplatte.
Die Seile werden dann in das Innere des Sarkophages geschoben
und sind nicht mehr sichtbar.
 

5.7. Die Konservierung der Metallobeflächen


Um die Metalloberflächen vor den unmittelbar wirkenden Einflüssen aus der Umwelt, wie Luftfeuchtigkeit und Staub zu schützen, wurde die gesamte Oberfläche mit einem mikrokristallinen Wachs1) überzogen. Diese Schutzschicht ist reversibel und beeinträchtigt das Aussehen der Sarkophage nicht.


1) Mikrokristalline Wachse bilden auf Grund ihrer molekularen Strukturen sehr dichte Schutzschichten aus, die verhindern, dass die größeren Wassermoleküle und damit weitere in Wasser gelöste Schadstoffe, diese Schichten durchdringen können. Mikrokristallines Wachs ist reversibel und beeinträchtigt die Gesamtoptik der behandelten Objekte nicht.



Sehr poröse und durch korrodierte Stellen, vor allem auf den Innenseiten der Sarkophage, wurden mit Paraloid - B 72 gefestigt. Paraloid - B 72 ist ein Kunstharz das in gelöster Form aufgetragen wird, und ebenfalls die Optik nicht beeinträchtigt.
 

Abb.37 Konservierungsmittel für die Sarkophage
Das Granulat PARALOID - B 72 wird in Ethylacetat gelöst und
mit wasserfreiem Alkohol auf die benötigte Viskosität eingestellt.
Es wird mit dem Pinsel aufgetragen und dient an den Sarkophagen zur
Festigung von speziellen Korrosionsformen mit porösen Bestandteilen.
C0SM0L01D - H80 ist ein mikrokristallines Wachs und wurde zur großflächigen
Konservierung der Zinnoberflächen eingesetzt.



         

Abb.38 u. 39 Konservierungsarbeiten
Das linke Bild zeigt die Festigung der Farbfassung mit Paraloid.
Auf dem zweiten Foto ist die Behandlung der Unterseite der Deckplatte
vom Sarkophag der Herzogin Sophia - Hedwig
mit einem Wasserverdrängungmittel1) zu sehen.

 


1) Alle Metalle haben eine mehr oder weniger stark ausgeprägte kapillare Oberfläche. In diesen Kapillaren lagern sich Wassermoleküle und mit ihnen auch weitere Schadstoffe an. Einem optimalen Korrosionsschutz sollte immer eine Trocknung vorausgehen. Das kann zum Einen durch Wärme geschehen und zum Anderen durch Substanzen die eine geringere Viskosität als Wasser haben und dadurch im Stande sind in die Kapillaren einzudringen und das Wasser hierbei zu "verdrängen".


5.8. Dokumentationen


Von Beginn an wurden sämtliche Aktivitäten zum Restaurierungsprojekt und
später zu den Restaurierungsarbeiten selbst in Zeichnungen, Wort und Bild
festgehalten und dokumentiert.
Es soll gesichert werden, dass die Arbeiten nachvollziehbar und transparent
dargestellt werden, um später Rückschlüsse ziehen zu können, warum wir
heute diese oder jene Entscheidung so und nicht anders getroffen haben.
Auf Zettel geschriebene Ideen und Hinweise, Festlegungen zu bestimmten
Fragen, Beratungsprotokolle etc. wurden gesammelt und entsprechend
archiviert.
In die tausende gehende Fotos, sowohl auf Negativfilm, als Diapositiv oder
als digitale Dateien, sind archiviert und ermöglichen es, die Arbeiten
zurückzuverfolgen.
Am Ende des Restaurierungsprojektes werden die Ergebnisse in einer
umfassenden Gesamtdokumentation veröffentlicht.
Zu den Ergebnissen der archäologischen Untersuchungen an den sterblichen
Überresten sind ebenfalls umfangreiche Dokumentationen angelegt, die nach
Abschluss der Untersuchungen veröffentlicht werden.

 



 

6. Die Gedenkstätte für die Herzöge von Pommern - Wolgast


Über die Errichtung einer neuen Gedenkstätte für die Herzöge von Pommern
- Wolgast wurde lange nachgedacht und kontrovers diskutiert.
Es gab Argumente dafür, alle Sarkophage in der Gruft zu belassen und durch
eventuelle Umbauten einen günstigeren Besucherverkehr zu ermöglichen.
Es wurde daran gedacht, einige Sarkophage im Kirchenraum aufzustellen und
hier eine Stätte des Gedenkens zu errichten. Geeignet hierfür schienen
zunächst der Chorumgang, oder auch abgegrenzte Bereiche links und rechts
des Altarraumes.
Verständigt wurde sich letztlich darauf, die ehemalige und so nicht mehr
benötigte Taufkapelle im Nordosten von St. Petri zu sanieren und als Ort der
Stille und des Gedenkens herzurichten.
Auch jetzt gab es wieder Vieles zu bedenken, um möglichst allen
Ansprüchen gerecht zu werden.
Umfangreiche Voruntersuchungen an der Bausubstanz waren die Grundlage
für die Planung der weiteren Arbeiten.
Einbauten aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts mussten entfernt werden,
gemauerte Sockel und ein aus Klinkersteinen gemauerter und nicht mehr
benötigter Altar mussten abgetragen werden.
Das Mauerwerk wurde großflächig entsalzt und saniert. Noch vorhandene
Formsteine wurden in die Original Substanz eingefügt, um wieder
geschlossene Oberflächen zu erhalten.
Nach einem Architektenentwurf wurde schließlich ein Sockel gegossen, der
vier Sarkophage tragen sollte.
Die Sarkophage der Herzöge Philipp 1., Ernst - Ludwig, Philipp - Julius und
der Gattin Philipp I. - Maria von Sachsen sollten ihren Platz in der neuen
Gedenkstätte erhalten.
Gotlandplatten1) die auf dem Sockel noch leicht erhöht abgelegt wurden,
sollten als edle Unterlage die Sarkophage tragen.


1) Gotlandplatten werden aus Sedimentablagerungen auf der Ostseeinsel Gotland geschnitten und seit Jahrhunderten zur Fertigung von Baumaterial, Grabplatten, Treppenstufen, Taufsteinen etc. verwendet. Von hellgrau über rötlich, grünlich bis fast schwarz kommen viele Farbvarianten vor. Typisch sind versteinerte Einschlüsse von frühen Lebensformen der Urmeere.



Eine schlichte Farbgestaltung und eine denkmalgerechte Lichtführung sollen
der Gedenkstätte Anmut und Erhabenheit verleihen.
Mit der Einweihung dieser Gedenkstätte erhält die letzte Ruhestätte der
Herzöge von Pommern - Wolgast, gut dreihundert Jahre nach der
Grabplünderung, ihre Würde zurück.


Abb. 40 Die neue Gedenkstätte
Das Bild zeigt die restaurierten Sarkophage der Herzöge Ernst - Ludwig und Philipp - Julius und im Hintergrund den noch nicht restaurierten
Sarkophag der Herzogin Maria von Sachsen, Gattin Philipp I.
Der Sarkophag des Herzogs Philipp I. befindet sich, zum Zeitpunkt der Aufnahme
in der Restaurierungswerkstatt.


7. Probleme der Substanzerhaltung und der Denkmalpflege


Ausgangspunkt der Überlegungen ist, dass nichts ewig hält und jedes
Material, jedes von Menschenhand geschaffene Ding nur eine bestimmte Zeit
existieren kann.
Die Zeit seiner Existenz ist von sehr vielen Faktoren abhängig und kann von
wenigen Augenblicken bis zu tausenden von Jahren und mehr gehen.
Das endgültige Ende einer Sache kann generell nicht verhindert werden. Es
können immer nur die Bedingungen beeinflusst werden, unter denen es
existiert. Sie können optimal sein und für eine lange "Lebensdauer" sorgen
und sie können denkbar schlecht sein und das schnelle Ende bedeuten.
Wenn die Faktoren bekannt sind, die einer Sache Schaden zufügen können,
hat man die Möglichkeit, diese zu beeinflussen und kann dafür sorgen, dass
sie gar nicht oder nur minimiert wirken können.
Dazu kommt die eigentliche Unverträglichkeit von Erhaltung und Nutzung
von Kulturgut.
Für die Erhaltung und langfristige Sicherung der Sarkophage der Herzöge
von Pommern - Wolgast, sowohl in der Gruft als auch in der Kapelle, sind es
nach derzeitigem Kenntnisstand vor allem die Luftfeuchtigkeit, der Staub,
das Licht und in bestimmten Grenzen die Temperatur.
Eine hohe relative Luftfeuchtigkeit fördert die Korrosion an Metallen und
bildet die Grundlage für mikrobiologische Aktivitäten.
Staub legt sich bekanntermaßen auf alle waagerechten Flächen und ist immer
und überall anzutreffen; Staub enthält sämtliche Schadstoffe die in der
Umwelt vorkommen und lagert diese kumulativ an.
Bestimmte Teile des Lichtspektrums wirken sich über längere Zeiträume
ungünstig auf Farben aus; sie bleichen aus und verblassen.
Die Temperatur hat indirekt Einfluss auf das Korrosionsverhalten von
Metallen und bietet Mikroorganismen günstige oder ungünstige
Lebensbedingungen.
Schlussfolgernd aus diesen Fakten, ist es notwendig, eine kontinuierliche Überwachung und Beeinflussung des Raumklimas in der Gruft und der Kapelle zu gewährleisten.
In regelmäßigen Abständen müssen Staub ab lagerungen beseitigt werden und das Licht, das zur Betrachtung der Sarkophage nötig ist, darf keine ultravioletten Anteile im Spektrum enthalten.
Um den Erhalt der Sarkophage als Sachzeugen der Geschichte und als Grablege der Herzöge von Pommern - Wolgast bis in die fernere Zukunft zu sichern, ist auch weiterhin die ständige Beobachtung des Schadensverlaufes an den Sarkophagen selbst nötig. Bestimmte Korrosions formen müssen in ihrer Entwicklung weiter beobachtet werden und gegebenenfalls müssen erneut Maßnahmen ergriffen werden, um den endgültigen Verfall weiter hinauszuzögern.
 

8. Schlussbemerkung


Diese Dokumentation wird nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten an
den Sarkophagen der Herzöge von Pommern - Wolgast fortgesetzt und zu
gegebener Zeit veröffentlicht.
Nach Abschluss der archäologischen Untersuchungen an den sterblichen
Überresten, werden deren Ergebnisse ebenfalls veröffentlicht.
Weitere Informationen zur Restaurierung der Sarkophage erhalten Sie an den
"Tagen des offenen Denkmals", im Rahmen von Führungen in St. Petri und
nach Voranmeldung beim Autor.



 

9. Literatur
 
 
Autorenkollektiv

Lexikon der Kunst
Leipzig 1968

Autorenkollektiv

Bestandserfassung und Bestandsanalyse
an Kulturdenkmalen
Hannover 1993

Autorenkollektiv Beck, C. H.

 

Restauratorenblätter Band 11
Wien 1990
 

Beck, C.H.  
 

Lexikon des alten Handwerks
München 1991
 

Bethe, Hellmuth

Die Kunst am Hofe der pommerschen
Herzöge, Berlin 1937
 

Bohlendorf, J.; Semlow, U.
 

Die Personalien und Leichen -
Prozessionen der Herzoge von Pommern und ihrer Angehörigen in den Jahren 1560 bis 1663 Halle 1869

Brachert, Thomas
 

Patina - Von Nutzen und Nachteil
der Restaurierung
München 1995

Braun - Feldweg, Wilhelm Brepohl, Erhard
 

Metall - Werkformen und Arbeitsweisen
Hannnver 1968
 

Callwey Verlag
 

 

Theophilus Presbyter und das
mittelalterliche Kunsthandwerk
Köln 1999
RESTAURO Zeitschrift für
 
Dwenger, Rolf
 

 

Kunsttechniken, Restaurierung
und Museumsfragen
Jahrgang. 1996-2005
Kunsthandwerkliches Zinngießen
Leipzig 1989
 
Heinrich, Peter (Hrsg.)
 

 

Metalrestaurierung
München 1994
 
Janis, Katrin
 
Restaurierungsethik im Kontext von
Wissenschaft und Praxis
München 2005
Metallrestaurierung Arbeitshefte des
Bayerischen Landesamtes
für Denkmalpflege
München 1998
 
Mach, Martin (Hrsg.)
 
Vom Reiz der Patina; Anderweit Verlag 2003
 
Schrader, Mila Schumann, Hermann
 
Metallographie
13. Aufl., Leipzig 1990
 
Stambolov, Bleck, Eichelmann
 

 

Korrosion und Konservierung von
Kunst- und Kulturgut aus Metall I und II.
Weimar 1990
 

Streubel, Curt

 

Handbuch der Gravierkunst
Leipzig 1959

   

10.  Autoren

 
Dr. Regina Scherping,

Laborative Archäologie; Mitarbeiterin im Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg - Vorpommern, Domhof 4-5, 19055 SCHWERIN

Wolfgang Hofmann,

Freiberuflicher Metallrestaurator;

Kronwiekstraße 45 / Hof, 17438 WOLGAST
   
Bildnachweis  
   
Gruftfoto 1920:

aus Privatbesitz

 

Fotos:

Archiv W. Hofmann

Zeichnungen Deckplatten und Schadenskartierung:

 


Birgit Wachholz
Detlef Kadagies

 

 

Detailzeichnungen Sarkophage

W. Hofmann

   

 

 

 

 

 

 

 

 


2003-2006
Evangelischer Kirchenbauverein - Vorsitz: Dr. Thomas Buske - Gosslerstrasse 25 - 12161 Berlin-Friedenau Email:
Evangelischer Bauverein
Dresdner Bank Berlin -  BLZ 100 800 00 -  Konto-Nr. 15 46 32600