Evangelischer Kirchenbauverein

GEGRÜNDET 1890  ZU BERLIN
ERNEUERT DURCH DEN FREUNDESKREIS
ZUM SCHUTZ KIRCHLICHEN KUNSTGUTES
BERLIN-FRIEDENAU
1975

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Endgültige Aufstellung des Altarbildes
in der Kapelle des Berliner Domes
nach bereits vorhandenem Entwurf
der Dombauhütte.

Kosten etwa 60.000 DM

Es werden Stifter gesucht!

Derzeitiger Zustand                                      Geplante Vollendung

  Das Altarbild im Berliner Dom

 In den Jahren 1818 bis 1821 schuf Karl  B e g a s  für den „alten (von Schinkel umgestalteten) Dom“ ein Altarbild. Bereits früher  -  in Paris  -  entstandene Gemälde wie „Hiob und seine Freunde“ oder „Christus am Ölberg“ (für die Berliner Garnisonskirche) ließen den König Friedrich Wilhelm III. aufmerksam werden und er kaufte sie. Als darum Begas 1821 mit einem Bild für den Dom in Berlin eintraf  -  er war damals gerade 27 Jahre alt  -  erntete er wegen „der Kühnheit des Lichteffektes große Bewunderung“. Auch wurde das Bild seither und auch in der Literatur noch bis heute als „Ausgießung des Heiligen Geistes“ bezeichnet 1). Doch diese Angabe ist ungenau. Denn mehrere (theologische) Bildschichten (und nicht nur Pflingsten) sind hier übereinander geschoben und aufeinander geschweißt. Eine inhaltliche Vieldimensionalität sollte hier, in diesem, und dann nur noch  e i n e m  Bilde buchstäblich  d u r c h - s c h a u t  werden, aber auch durch diese Vertiefung die Betrachter „andächtig“ und innerlich still werden lassen, wie es auch in der Malerei seit dem 16.Jahrhundert neben den bis dahin geschaffenen  Retabelaltären ausdrücklich beabsichtigt und üblich geworden war. Aus der erzählenden Abfolge von einer Fülle von biblischen Einzelszenen und Bezügen, die oftmals nur von sehr geschulten Theologen zu deuten waren, war nun auch die Altarückwand alternativ (wie nun hier) zu einem einzigen großen Bild zusammengefaßt worden.

Die Pfingstattribute wurden von Begas auf diesem, seinem Bild nun auch darum weitgehend weggelassen und durch das  L i c h t  -  gleichsam als Metapher eines noch umfassenderen Geschehens  -  ersetzt: „Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, daß durch uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes im Angesicht Jesu Christi“ (II.Kor 4 6). Und: „Nun aber spiegelt sich in uns allen des Herrn Klarheit mit aufgedecktem Angesicht, und wir werden verklärt in das selbe Bild von einer Klarheit in die andere als vom Herrn, der der Geist ist“ (II,Kor 318).

Das hier dargestellte Pfingstgeschehen ist und war also in eine weitere Bildschicht, nämlich die „Verklärung Christi“ hineingetaucht (Mt 17 1ff. u.p.). Erst die ausdrückliche Auszeichnung „Dies ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören“ (V.5) verwies auf das unverschiebbare Zentrum christlicher Verkündigung, nämlich auf die dann in der Geschichte stets ungebrochene Verklärung und Offenbarung Gottes, wie sie sich mit jeder Predigt stets auf´s Neue und in jedem Gottesdienst verwirklichen sollte.  -  Maria inmitten der Apostel, das „Gefäß der Inkarnation Gottes“ war und konnte so schließlich auch nur noch zum Inbegriff von Kirche, einer Art personifizierter Ecclesia werden; was Luther deshalb auch veranlaßte, von der Kirche als einer Creatura Verbi im Besonderen zu sprechen (WA 15 345  -  so wahr ohnehin alles allein durch das Wort Gottes geschaffen worden war).

Eine jeden Rahmen sprengende Achse durchstößt deshalb das Bild von Oben nach Unten. Die Taube als Sinnbild für die Geistesgaben Gottes (seit Noahs

 

Zeiten und wie zur Besiegelung auch bei der Taufe Jesu: „Das ist mein lieber Sohn...“  Mt 3 17 u.p) läßt aber nun gleichwohl auch inmitten jener Lichtfülle von oben herab dennoch im Heiligtum Gottes (mit den angedeuteten Säulen) das Dunkel nicht vollends weichen. Denn auch darin blieb die Kirche und die gottesdienstliche Gemeinde auf Erden gefangen und so auch jeder in dieser Widerspannung unter dem Worte Gottes auf die eigene Verwandlung und Umkehr gewiesen: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe“ (Ps 911.2). Und: „Die Nacht leuchtet wie der Tag, und Finsternnis ist nicht mehr finster bei dir“ (Ps 139 12). Denn mit der Verkündigung der Kirche begann stets das „Gericht Gottes über diese Welt“ (Jh 12  31). Und doch fällt auch hier nicht Feuer und Schwefel zur Vernichtung vom Himmel (Gn 19 24). Denn noch viel tiefer konnten Menschen  eben getroffen werden, nämlich sich auch nun endlich selber in ihrer, von ihnen bislang und oft genug übersehenen göttlichen Berufung wieder zu erkennen.

Zwischen Petrus und Johannes liegt deshalb auch ein aufgerolltes Blatt (ein Rotulus und noch kein Codex). Das Alte Testament konnte fortan mit den Augen Gottes endlich  auch  k l a r  und unmißverständlich gelesen und das neue „Buch“ als Predigt zu formulieren begonnen werden. Petrus (im Vordergrund rechts), er versucht diese künftig auch keinem der Apostel erlassenen Predigt hier, nun auch auf dem Bild, aus der Schrift zu lernen, und er sollte dann auch damit als Erster beginnen (Acta 2 14). Die drei Jünger, Petrus, Johannes und Jakobus, Zeugen der Verklärung und schließlich auch der Gebetsnot Jesu in Gethsemane, sie waren, zusammen mit Andreas, die erstberufenen und  öffnen hier auch gleichsam den Blick auf die Mitte  -  auf die Kirche und Maria.

1  = Petrus  2  = Jakobus d.Ä  3  = Johannes 4  = Andreas  5  = Philippus 6  = Thomas  7  = Bartholomäus 8  = Matthäus  9  = Jakobus d.J. 10 = Simon 11= S.Judas 12= Matthias 13= Judas Ischariot

Und so ließ sich auch die dann weitere Bildschicht aus der frühkirchlichen Tradition entdecken. Alle Apostel faßten, noch bevor sie zur Mission „in alle Welt“ aufbrachen, den Inhalt ihrer Predigt zu einem gemeinsamen Bekenntnis zusammen -  jeder mit einem besonderen Satz 2).Es waren fortan die zwölf Sätze, die dann das „apostolische Glaubensbekenntnis“ bildeten und so auch im kirchlich-katholischen Katechismus Eingang fanden. Erst durch Luther erfolgte die straffere Gliederung nach den trinitarischen Artikeln: Gott-Vater, Sohn und Heiliger Geist. Dennoch blieb auch auf evangelischer Seite die Zwölferteilung lebendig. So etwa als die Schloßkapelle in Stuttgart 156o eingeweiht wurde und deren Altar, mit Steinreliefs umkleidet, diese Gliederung der Apostel mit ihrem jeweiligen Glaubenssätzen zeigte; erst 1865 fiel diese Ausstattung einer „künstlerischen“ Modernisierung zum Opfer 3). 

Auch wenn nun auf dem Begas´schen Bild die Apostel zwar ohne die herkömmlichen Attribute dargestellt sind, erkennt man sie aber relativ leicht in der Zuordnung und der Verbindung mit dem Bedeutungsinhalt ihres jeweiligen Glaubenssatzes.

P e t r u s  (1) als erster: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde;  J a k o b u s  d.Ä.  -  der Bruder des Johannes (2): Ich glaube an Jesus Christus...; J o h a n n e s (3):...empfangen von Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria... ; hinter ihm  A n d r e a s (4), ein wenig im Dämmerlicht: ...gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben... Der fünfte, P h i l i p p u s (5), der Nathanael, oder auch Bartholomäus genannt, zu Jesus rief: wir haben den gefunden, von welchem Mose im Gesetz und die Propheten geschieben haben (Jh 1 45): ...niedergefahren zur Hölle und am dritten Tage wieder auferstanden...  Philippus und Johannes sind auch nach ihrem Glaubensspruch zurecht die beiden einzigen , die in dem Bild nach Oben blicken (cf.Jh 3 3: ...“von neuem geboren zu werden“). T h o m a s (6), der sechste, der am entferntesten stehende, der auch erst bei der zweiten Osterbegegnung im Kreise der Jünger „hinter verschlossenen Türen“ (Jh 2o 24ff.) dabei war (und so auch ähnlich wie später bei der Himmelfahrt Maríens (mit seinem Zweifel) zuspäte kam: Jesus Christus sitzt zur Rechten Gottes....  B a r t h o l o m ä u s (7) (siebentens), der einzige in der unmittelbaren Anbetung dargestellt: ...von dann er wieder kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten... Und so dann die letzten Vier:      M a t t h ä u s (8), ganz in sich gekehrt und mit dem Geschehen allein: Ich glaube an den Heiligen Geist... ; und  J a k o b u s d.J.(9) oberhalb von Maria in der Mittelachse:...an die heilige, christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen... ; und was mithin in ihr so auch allen Menschen zuteil werden sollte;  S i m o n (1o) und S. J u d a s (11) (nicht  mit Judas Ischariot zu verwechseln) bekennen so: Vergebung der Sünden, Auferstehung des Leibes.... Ihr Gesichter zeigen noch die Qualen der Neuschöpfung eines Menschen durch den Glauben, oder wie es Luther in den Galatervorlesungen sagte: Wenn Gott in einem Menschen den Glauben schaffte, ist das genauso viel, als würde er Himmel und Erde noch einmal schaffen. Und schließlich M a t t h i a s (12), der Jünger, auf den das Los fiel für das verlorene Erbteil eines anderen  -  nach der Himmelfahrt Christi (Acta 126), und dessen Gesichtzüge denen des Paulus sehr ähneln, und so wohl auch dieser Apostel hier indirekt mithineingenommen sein dürfte: Ich glaube an ein ewiges Leben...

Petrus und Matthias, bzw. Paulus fassen so alles zusammen: Schöpfung und Vollendung  -  A und Ω.

Und schließlich noch ein Dreizehnter, rechts neben dem Haupt Mariens, der sich selber verurteilt, abwendet und davon will: „Judas, der ihn verriet...“

Nähme man überdies auch die Farbwerte wie die der Gewandungen ergäben sich die weiteren theologischen Verflechtungen einer nie ganz auszuschöpfenden Verkündigung; ein sphärisch (diagonal) in das  Bild hineinkomponiertes Dreieck begegnete uns dann mit vielen weiteren ineinander geschobenen (in der beigegebenen Abbildung sind nur einige eingezeichnet).

Jedenfalls würde sich damit wohl auch nicht leugnen lassen, daß hier eine Hinführung auch auf den Namen der Kirche, den Dom, nämlich: „Von der Heiligen Dreifaltigkeit“ beabsichtigt sein dürfte, auch wenn er neben der Funktionsbezeichnung: Oberpfarr- und Domkirche schon heute wie fast vergessen erscheint.

Thomas Buske  - Gossler Straße 25   12 161 Berlin    o3o / 851 28 26

                             


 1) so p.e.Helmut Börsch-Supan, Die Deutsche Malerei... 176o-187o, München 1988.

2) zwei pseudoaugustinische Predigten (aus dem 4.Jh.) gelten als früher Beleg für diese Traditionslinie: Sermon 24o/241 -  PL 39  2188-91.

3) dazu Reinhard Lieske, Protestantische Frömmigkeit im Spiegel der kirchlichen Kunst im Herzogtum Württemberg, München 1973  6off.


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